Analytische Kostenmodelle

Rahmenbedingungen

Regulierung im Telekommunikationsbereich soll Wettbewerb fördern und angemessene und ausreichende Dienstleistungen flächendeckend gewährleisten. Zur Erreichung dieses Ziels haben sich marktbeherrschende Unternehmen u.a. einer besonderen Entgeltregulierung zu unterwerfen. Entgeltentscheidungen unterliegen dabei einer Reihe von gesetzlichen Regelungen, die im Telekommunikationsgesetz (TKG) normiert sind. § 33 TKG legt abschließend fest, welche Kostennachweise das beantragende Unternehmen mit einem Entgeltantrag vorzulegen hat. Dabei sind neben den Einzelkosten auch die Gemeinkosten sowie deren Zuordnung zu den jeweiligen Dienstleistungen anzugeben. Im Rahmen der Kostennachweise ist insbesondere auch die Ermittlungsmethode der Kosten darzulegen. Für genehmigungspflichtige Entgelte nach § 30 Absatz 1 TKG werden in § 31 Absatz 1 Satz 1 die Kosten der effizienten Leistungsbereitstellung als Prüfungsmaßstab festgelegt. Diese ergeben sich aus den langfristigen zusätzlichen Kosten der Leistungsbereitstellung und einem angemessenen Zuschlag für leistungsmengenneutrale Gemeinkosten, einschließlich einer angemessenen Verzinsung des eingesetzten Kapitals, soweit diese Kosten jeweils für die Leistungsbereitstellung notwendig sind.

Einsatz von analytischen Kostenmodellen

Nach § 35 Absatz 1 kann die Regulierungsbehörde neben den hier vorliegenden Kosteninformationen zusätzlich zur Ermittlung der Kosten der effizienten Leistungsbereitstellung auch eine von der Kostenrechnung des Unternehmens unabhängige Kostenrechnung anstellen und hierfür Kostenmodelle heranziehen.

Solche Modelle kommen sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene bei der Vorbereitung von Regulierungsentscheidungen zur Anwendung.

Das Wissenschaftliche Institut für Kommunikationsdienste (WIK) hat im Auftrag der Regulierungsbehörde analytische Kostenmodelle entwickelt. Die Modelle stellen einen elementbezogenen Ansatz dar und ermittelt die langfristigen Zusatzkosten der Netzinfrastruktur. Diese bilden den weitaus größten Teil der zusätzlichen Kosten von Leistungen für besondere Netzzugänge ab.

Modellentwicklung

Mit analytischen Kostenmodellen werden die Kosten der Netzinfrastruktur grundsätzlich elementorientiert ermittelt. Dazu wird das Telekommunikationsnetz in Elemente zerlegt, die durch ihre Funktion wie Vermittlung oder Übertragung definiert werden.

Bei der Ermittlung der Kosten von Netzzugangsleistungen wird davon ausgegangen, dass die einzelnen Leistungen entweder Netzelementen entsprechen oder durch Addition der Kosten der genutzten Netzelemente ermittelt werden können. Durch die elementorientierte Kostenberechnung können Kosten von Leistungen nachvollziehbar an tatsächlich in Anspruch genommene funktional definierte Elemente gekoppelt werden.

Soweit die Nutzung von Netzelementen durch verschiedene Dienste auf einen gemeinsamen Kostentreiber zurückgeführt werden kann, werden den Diensten die zusätzlichen Kosten des Netzelements in gleicher Weise zugeordnet. Durch diese elementbezogene Sichtweise werden durch Unteilbarkeiten verursachte Fixkosten, etwa Kosten der zentralen Einheiten der Vermittlungsstelle oder Kosten von Gräben, als zurechenbare Kosten des Netzelements verursachungsgerecht auf die verschiedenen Dienste verteilt. Langfristige zusätzliche Kosten von Netzelementen sind in diesem Sinn "gemeinsame" Kosten verschiedener Dienste, nicht jedoch leistungsmengenneutrale Gemeinkosten.

Öffentlicher Dialog

Sobald die Modellentwicklung einen hinreichend stabilen Status erreicht hat, werden die Modelle in einem Referenzdokument dargestellt und über eine Ankündigung im Amtsblatt zur öffentlichen Kommentierung freigegeben. Die eingegangenen Stellungnahmen werden ausgewertet. Sowohl Stellungnahmen als auch Ergebnisse der Auswertung werden veröffentlicht. Die aus den Ergebnissen resultierenden Modifikationen für die Weiterentwicklung des Kostenmodells werden - soweit möglich - kurzfristig umgesetzt. Umfangreichere Modifikationen werden in einer der nächsten Modellversionen aufgenommen.

Analytisches Kostenmodell - Anschlussnetz

Das (Teilnehmer-)Anschlussnetz wurde erstmalig Anfang 1998 modelliert. Es ist als Referenzdokument "Ein analytisches Kostenmodell für das Ortsnetz" vom 4. März 1998 veröffentlicht und kommentiert worden. Ein Teil der aus dem Kommentierungsverfahren resultierenden Anpassungen konnte kurzfristig für die Software 1.0 "Analytisches Kostenmodell - Teilnehmeranschlußleitung" berücksichtigt werden.

In der Zwischenzeit hat das WIK weitere aus dem Kommentierungsverfahren resultierende Modifikationen konkretisiert, in das Modell eingearbeitet und das entsprechende Referenzdokument 2.0 "Analytisches Kostenmodell - Anschlussnetz" vom 8. November 2000 erstellt. Die Modifikationen gegenüber der vorangegangenen Version sind zur Kommentierung freigegeben worden. Sowohl die Stellungnahmen als auch die Auswertung der Stellungnahmen sind öffentlich einsehbar und stehen als Download zur Verfügung. Die Ergebnisse der Auswertung der eingegangenen Stellungnahmen sind in die Software "Analytisches Kostenmodell - Anschlussnetz 2.0" eingearbeitet worden. Wesentliche Punkte sind:

  • Um differenziert berücksichtigen zu können, dass im Teilnehmeranschlussnetz Reserven sowohl zur Befriedigung künftiger Nachfrage als auch aufgrund technischer Erfordernisse vorgehalten werden, wird der Reservefaktor im Modell in einen nachfragebedingten und einen technischen Reservefaktor aufgeteilt.
  • In Konsistenz mit dem Modell für das nationale Verbindungsnetz kann die Anschlussbereichsstruktur der Deutschen Telekom AG für eine Kostenbetrachtung übernommen werden. Alternativ können die Anschlussbereichsgrenzen auch nach Effizienzkriterien modellendogen gebildet werden.
  • Zur Erfassung der verschiedenen Formen von Beilauf werden die im Modell verwendeten internen und externen Beilauffaktoren präzisiert.
  • Die Position des Kabelverzweigers wird nicht mehr iterativ bestimmt, sondern er wird an dem Gebäude positioniert, welches in dem betreffenden Cluster am nächsten zum Hauptverteiler gelegen ist.
  • Durch die Einbindung eines Geographischen Informationssystems soll die automatisierte Erfassung von Daten zur Bestimmung der Anschlussnachfrage und eine realitätsnahe Abbildung der Trassenführung im Verzweigerbereich erfolgen.

Analytisches Kostenmodell - Nationales Verbindungsnetz

Ein wesentliches Ergebnis des Kommentierungsverfahrens Teilnehmeranschlussleitung Ende 1998 war, Anschlussnetz und vermittelndes Netz getrennt voneinander zu modellieren. Dies wurde im Referenzdokument "Ein analytisches Kostenmodell - Nationales Verbindungsnetz" umgesetzt und zur öffentlichen Kommentierung freigegeben.

Die Auswertung der abgegebenen Stellungnahmen führte zu strukturellen Modifikationen und Weiterentwicklungen, die in dem aktualisierten Referenzdokument 2.0 und der entsprechenden Software 2.0 "Analytisches Kostenmodell - Nationales Verbindungsnetz" eingearbeitet wurden.

Die Zusammenschaltungsentgelte sollen sich künftig nicht mehr an Entfernungsstufen (bis 20, 50, 200 und über 200 km), sondern an der Inanspruchnahme von Netzelementen orientieren. In diesem Zusammenhang ist das Konzept der Deutschen Telekom AG "Element Based Charging auf Basis eines Zonenmodells" vom 22. Dezember 1999 kommentiert worden. Die eingereichten Stellungnahmen sind veröffentlicht. In einem zweiten Schritt hat die Deutsche Telekom AG ein modifiziertes Konzept "IC 2001 - EBC Modell" vom 2. Mai 2000 vorgelegt. Dieses modifizierte Konzept haben die an der bisherigen Kommentierung Beteiligten mit der Möglichkeit erhalten, kurzfristig eine ergänzende Stellungnahme abzugeben. Diese Stellungnahmen sind ebenfalls veröffentlicht.

Das Referenzdokument 2.0 "Analytisches Kostenmodell - Nationales Verbindungsnetz" steht kostenlos zur Verfügung.

Analytisches Kostenmodell - Breitbandnetz

Die WIK-consult GmbH (WIK) hat im Auftrag der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post ein analytisches Kostenmodell für das Breitbandnetz entwickelt und in einem Referenzdokument

"Ein analytisches Kostenmodell für das Breitbandnetz" spezifiziert.

Das vorgestellte Kostenmodell ist eine bottom-up-Kostenmodellierung auf Basis des elementorientierten Ansatzes. Der Umfang der Kostenmodellierung ist maßgeblich durch die Wertschöpfungsstufen der Erbringung von xDSL-basierten Zugangsdiensten getrieben und erstreckt sich über verschiedene Netzsegmente. Diese umfassen

  • die hochbitratige Teilnehmeranschlussleitung
  • das (ATM-basierte) Konzentrationsnetz
  • das ATM-Kernnetz sowie
  • das IP-Kernnetz.

Das Modell soll in nachvollziehbarer Form alle relevanten Beziehungen zwischen Input- und Outputgrößen dokumentieren.

Der Kommentierungsprozess soll einen offenen und kritischen Dialog mit dem Markt initiieren. Es wird angestrebt eine akzeptierte Methodologie zu entwickeln, die als Grundlage zukünftiger Regulierungsentscheidungen dienen kann.

Unter der Rubrik "Presse/Aktuelle Anhörungen/Archiv Anhörungen", sowie "Analytisches Kostenmodell/Dokumente" ist das Referenzdokument und eine "Executive Summary" veröffentlicht. Das Referenzdokument ist dort auch in englischer Sprache zu finden.

Das Kostenmodell wurde in seinen Grundzügen auf einer Informationsveranstaltung am 09.03.2005 in der Regulierungsbehörde von der wik-Consult GmbH vorgestellt. Präsentationsfolien (PDF siehe unten)

Es wurde allen Interessierten die Möglichkeit eingeräumt, das Referenzdokument zu kommentieren.

Bis zum 30.04.2005 haben insgesamt 12 Unternehmen bzw. Institutionen Stellungnahmen zum Referenzdokument eingereicht. Die Kommentare sind (ggf. in einer um Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse bereinigten Form) unter "Stellungnahmen Breitband" veröffentlicht.

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