Trotz Krieg im Iran: Die Gasversorgung ist sicher
Welche Auswirkungen hat die Krise im Nahen Osten auf die Energielage in Deutschland? Antworten gibt es in diesem Text.
Es herrscht Krieg im Iran. Die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Schiffsrouten für Öl- und Gastransporte, ist gesperrt. Das verunsichert viele Menschen. Die Preise für Benzin und Diesel sind unmittelbar gestiegen. Vergleiche zur Gaskrise in Folge der russischen Vollinvasion in die Ukraine machen die Runde. Der Blick auf die Füllstände der Gasspeicher machen Manche nervös. Deshalb sei gleich zu Beginn dieses Textes deutlich gesagt: Die aktuelle Situation ist nicht vergleichbar mit der im Frühjahr 2022.Damals fehlte Deutschland die Infrastruktur, um den willkürlichen Stopp der Gaslieferungen durch Russland sowie die späteren Pipeline-Ausfälle der Nord-Stream auszugleichen. Deshalb war es damals auch nötig und sinnvoll, kurzfristig Mengen auf deutschem Staatsgebiet einzuspeichern, um insbesondere Vorsorge für den Winter 2022/2023 zu schaffen. Das fehlende Gas aus Russland konnte damit teilweise ersetzt werden.
Wenig Gas in den Speichern: am Ende des Winters normal
Inzwischen haben wir mehrere LNG-Terminals, also Hafenanlagen, um Flüssiggas umzuschlagen, zu lagern und in seinem gasförmigen Zustand in das Gasnetz einzuspeisen. Außerdem haben wir die Gasflüsse umgestellt. Mit anderen Worten: Wir können die zur Versorgung notwendigen Mengen importieren. Allerdings spüren wir aufgrund der geänderten Versorgungssituation mehr als früher die Preise auf den (Welt-)märkten und deren Schwankungen.
Auch der geringe Füllstand der Gasspeicher ist kein Grund zur Sorge. Wir befinden uns noch in der Ausspeicherperiode. Durch die milden Temperaturen im Februar und März haben wir sogar an manchen Tagen Gas eingespeichert. Die eigentliche Befüllung findet frühestens mit Beginn des Gasspeicherjahres ab April – eher Mai/Juni – statt. Einfacher gesagt: Es ist normal, dass jetzt, am Ende des Winters, nicht mehr viel Gas in den Speichern ist.
Für das kommende Speicherjahr 2026/27 sind bereits über die Hälfte der deutschen Speicherkapazitäten vermarktet. Aus ökonomischen Gründen wurden die gebuchten Kapazitäten bisher auch immer zu wesentlichen Teilen befüllt. Die Verantwortung für die ausreichende Befüllung liegt bei den Marktakteuren. Wir haben aktuell keine Hinweise darauf, dass sie ihren Verpflichtungen nicht nachkommen würden.
Genug Gas, aber höhere Preise
Die Bundesnetzagentur verfolgt derzeit sehr aufmerksam die aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten und prüft, inwiefern die Ereignisse sich auf den deutschen Gasmarkt auswirken. Zunächst: Gas vom Persischen Golf spielt für die deutsche Versorgung keine wesentliche Rolle, da Deutschland seine LNG-Lieferungen aktuell aus den USA bezieht. Deshalb beobachten wir nach wie vor kein Mengenproblem: Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil und die Versorgungssicherheit ist gewährleistet.Wir nehmen Preisausschläge auf den Weltmärkten wahr, die auch in Deutschland spürbar sind und auch bleiben könnten, je nachdem, wie lange der Konflikt dauert. Private Haushalte, also die ganz normalen Verbraucherinnen und Verbraucher, haben Verträge mit ihren Stadtwerken oder anderen Energieanbietern. In diesen Verträgen werden ihnen typischerweise Preisgarantien zugesichert, damit sie diese Kosten einkalkulieren können. Deshalb wirken sich Preiseffekte, wie sie durch Krisen auftreten, nicht unmittelbar auf private Gaskundinnen und -kunden aus. Auch Unternehmen, die sich über Terminmärkte eindecken, werden diese Preiseffekte nicht sofort spüren.Damit Letztverbraucher zu solchen Preisen beliefert werden können, wenden die Unternehmen individuelle Portfoliostrategien an. Diese Strategien, eine Mischung aus langfristigen Verträgen, Terminmarktgeschäften und dem kurzfristigen Handel am Spotmarkt, machen Preisgarantien erst möglich. Ergebnis dieser Strategien sind dann auch unter anderem die Füllstände der Gasspeicher. Diese Mengen werden zu bestimmten Preisen eingekauft und eingelagert. Die Unternehmen setzen diese Mengen dann z. B. aufgrund von Preissignalen im Verlauf eines Winters ein. Dabei haben sie gleichzeitig die Versorgungssicherheit im Blick, weil sie ihren Lieferverpflichtungen jederzeit nachkommen können müssen.
Die Lage im Blick
Es wäre nicht seriös, vollständig Entwarnung zu geben. Niemand weiß, wie lange der Konflikt dauert und ob er sich ausbreiten wird. Aber für die nächsten Wochen gibt es keinen Grund zur Beunruhigung. Alle Verantwortlichen haben die Lage sehr genau im Blick und können, wenn nötig, auf Veränderungen reagieren.
Sollten sich wesentliche Änderungen ergeben, informieren wir Sie wie gewohnt im Gas-Lagebericht