Gas: Kri­sen­ma­na­ge­ment und -vor­sor­ge

Gas ist eine wesentliche Komponente der Energieversorgung in der Bundesrepublik Deutschland. Ein Viertel der Primärenergieversorgung wird durch Erdgas abgedeckt. Es dient hauptsächlich zur Strom- und Wärmeproduktion, als Grundstoff für die Industrie und als Kraftstoff im Verkehrssektor.

FAQ zur Krisenvorsorge Gas
Fragen zur aktuellen Lage der Gasversorgung in Deutschland, der Bedeutung der Frühwarnstufe sowie möglichen Konsequenzen beantworten wir Ihnen auf:
www.bundesnetzagentur.de/hintergrund-gasversorgung.

Datenerhebung bei großen Gasletztverbrauchern

Erhebungszeitraum: 3. bis 16. Mai 2022

Am 30. März 2022 hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas ausgerufen.

Seitdem veröffentlicht die Bundesnetzagentur einen täglichen Lagebericht zur Gasversorgung in Deutschland.

Falls die Notfallstufe ausgerufen wird, nimmt die Bundesnetzagentur die Rolle des sogenannten Bundeslastverteilers ein. Sie übernimmt also im Krisenfall hoheitlich Reduktion der geplanten Bezugsmengen im Markt, um die Nachfrage auf das Niveau der knappen Gasmengen zu reduzieren.

Um auf eine solche Situation optimal vorbereitet zu sein, ist eine bestmögliche Informationsbasis unabdingbar.

Zunächst ist die Unterstützung der rund 2.500 Letztverbraucher mit einer technischen Anschlusskapazität von mindestens 10 MWh/h im Marktgebiet der Trading Hub Europe (THE) gefragt: Ihre Angaben helfen bei der Lageeinschätzung und tragen zur besseren Entscheidungsfindung des Bundeslastverteilers im Falle einer Gasmangellage bei.

Aus den Abfrageergebnissen wird keine feste Reihenfolge zur Versorgungsreduktion abgeleitet. Die Ergebnisse ermöglichen der Bundesnetzagentur, die Folgen von Maßnahmen für die betroffenen Letztverbraucher und die Gesellschaft bestmöglich einzuschätzen.

Die Daten werden für die Sicherheitsplattform Gas (pdf / 55 KB) erhoben und sind nicht öffentlich einsehbar.

Letztverbraucher, die die oben genannten Anforderungen erfüllen, sind zur Auskunftserteilung verpflichtet.

Die rechtliche Grundlage stellt die Allgemeinverfügung der Bundesnetzagentur gegenüber Letztverbrauchern mit größerem Gasverbrauch (pdf / 194 KB) dar.

Betroffene Unternehmen erhalten eine E-Mail mit einem personalisierten Zugangslink zu einem geschützten Online-Formular.
Wichtiger Hinweis
Falls Ihr Unternehmen zur Zielgruppe zählt und Sie noch keine E-Mail erhalten haben, schreiben Sie bitte eine Nachricht an Sicherheitsplattform-Gas@BNetzA.de.

Wenn Sie Angaben zu weiteren Letztverbrauchern mit einer technischen Anschlusskapazität unter 10 MWh/h machen möchten, weil Sie technisch oder prozessual in direktem Zusammenhang mit den zu meldenden Daten stehen, schreiben Sie bitte ebenfalls eine E-Mail an Sicherheitsplattform-Gas@BNetzA.de.

Support für Unternehmen

Bei Bedarf kann die Ausfüllhilfe Datenerhebung Letztverbraucher (xlsx / 184 KB) verwendet werden. Bitte beachten Sie insbesondere die Vorgaben zum Aufteilen der Leistungswerte in Blöcke.

Technische oder fachliche Rückfragen können an das Team Kunden- und Vertragsmanagement der THE gerichtet werden. Technische Fragen zur Teilnahme an der Datenerhebung werden direkt von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der THE im Auftrag der Bundesnetzagentur beantwortet. Fachliche Fragen zur Datenerhebung werden von der THE an die Bundesnetzagentur weitergeleitet, welche die Beantwortung dieser Fragen vornimmt.

Kunden- und Vertragsmanagement (THE)
E-Mail: service@tradinghub.eu
Telefon: +49 30 364289 400

Ergänzende Datenerhebung bei Industrieparkbetreibern

Wer an seinem Netzanschlusspunkt andere große Letztverbraucher drittbeliefert, wird zu einer ergänzenden Erhebung aufgefordert. Betroffen sind vor allem Betreiber von Industrieparks.

Als Unterstützung zur Abbildung dieser Gasverbräuche in Ihrer Online-Datenerhebung dient das Ausfüllbeispiel für Betreiber von Industrieparks mit Drittbelieferung (xlsx / 29 KB) .

Datenerhebung Netzbetreiber

Die Frist für die Erhebung ist am 28. April 2022 abgelaufen. Bis zum Ablauf dieses Tages mussten alle erforderlichen Auskünfte erteilt beziehungsweise Uploads über den jeweiligen Zugangslink zur Datenplattform erfolgt sein.

Weitere Informationen zum Ablauf erhalten Sie auf der Website der Trading Hub Europe (THE).

Wichtiger Hinweis
Netzbetreiber, die bislang keine Auskünfte erteilt haben, sind aufgefordert unverzüglich die Daten zu liefern.

Die Abfrage der Netzbetreiber fand im Marktgebiet der Trading Hub Europe (THE) statt. Die Datenerhebung ist eine präventive Maßnahme der Bundesnetzagentur im Zusammenhang mit ihrer Rolle als Bundeslastverteiler.

Die Netzbetreiber sind zur Auskunftserteilung verpflichtet. Die rechtliche Grundlage stellt die nachfolgende Verfügung dar:
Allgemeinverfügung der Bundesnetzagentur gegenüber Gasnetzbetreibern zur Identifikation von Letztverbrauchern mit größerem Gasverbrauch (pdf / 678 KB)

Alle betroffenen Unternehmen erhalten in Kürze eine E-Mail mit einem personalisierten Zugangslink sowie weiterführenden Informationen. Die Datenerhebung erfolgt durch Unterstützung des Marktgebietsverantwortlichen THE, welcher den Betrieb des Marktgebietes sowie die Versorgung mit Erdgas in Deutschland sichert.

THE verarbeitet die erhobenen Daten zu keinem anderen Zweck, als diese im Rahmen ihrer Rolle als Verwaltungshelferin an die Bundesnetzagentur zu übersenden. Die THE verwendet diese Daten nicht für eigene Aufgaben. Darüber hinaus ist die THE sowie der eingesetzte IT-Dienstleister vertraglich zur Verschwiegenheit sowie Datenlöschung im Anschluss an die Übermittlung an die Bundesnetzagentur verpflichtet.

Bundesnetzagentur als Bundeslastverteiler

Die Deckung des lebenswichtigen Bedarfs an Gas soll auch in Krisenzeiten gewährleistet sein. Für den Fall, dass die Gaswirtschaftsakteure die Versorgung durch marktgerechte Maßnahmen nicht, nicht rechtzeitig oder nur mit unverhältnismäßigen Mitteln beheben können, ist der Staat in der Pflicht, den lebenswichtigen Bedarf an Gas durch hoheitliche Lastverteilung zu decken.

Die Bundesnetzagentur übernimmt im Krisenfall diese hoheitliche Verteilung und Zuteilung der knappen Gasmengen. Formal muss dafür die letzte Stufe des Notfallplans Gas in Deutschland ausgerufen werden, mit der die Bundesnetzagentur zum sogenannten Bundeslastverteiler wird. 

Der Bundeslastverteiler wird nach dem Energiesicherungsgesetz (EnSiG) aktiv, wenn die Notfallstufe gemäß der  Verordnung (EU) 2017/1938 über Maßnahmen zur Gewährleistung der sicheren Gasversorgung (sog. SoS-VO) und dem Notfallplan Gas von der Bundesregierung ausgerufen wird.

Der Bundeslastverteiler stellt die im überregionalen öffentlichen Interesse liegende Versorgung sicher, führt einen Ausgleich der elektrizitäts- und gaswirtschaftlichen Bedürfnisse und Interessen der Länder herbei oder regelt den Einsatz von unterirdischen Gasspeichern und sonstigen Gasversorgungsanlagen mit überregionaler Bedeutung (§ 4 Abs. 3 EnSiG).

Dies betrifft insbesondere die Versorgung der privilegierte Kundengruppe (§ 53a EnWG), die nach EU- und nationalem Recht einen besonderen Schutz genießen.

Derzeit ist in Deutschland die Frühwarnstufe nach dem Notfallplan Gas aktiv. Einen tagesaktuellen Lagebricht zur Gasversorgung erhalten Sie hier.

SAIDI-Wert 2020

Der zuletzt für das Jahr 2020 von der Bundesnetzagentur ermittelte SAIDI-Wert zu den Versorgungsunterbrechungen Gas (§ 52 EnWG) weist auf eine sichere und zuverlässige Gasversorgung in Deutschland hin. Der Wert stellt den technischen Aspekt der Versorgungssicherheit dar.

Es liegt in der gemeinsamen Verantwortung der Marktteilnehmer, der EU-Mitgliedstaaten und ihrer zuständigen Behörden sowie der EU-Kommission, den hohen Grad der Versorgungssicherheit auch weiterhin zu gewährleisten. Dafür ist ein hohes Maß an Kooperation zwischen den verschiedenen Akteuren notwendig.

EU-Verordnung über Maßnahmen zur Gewährleistung der sicheren Gasversorgung

Ein Mittel zur Gewährleistung der sicheren Gasversorgung auf europäischer Ebene ist die Verordnung (EU) Nr. 2017/1938 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Oktober 2017 (sog. SoS-VO) über Maßnahmen zur Gewährleistung der sicheren Gasversorgung und zur Aufhebung der Verordnung (EU) Nr. 994/2010.

Diese Verordnung dient der Stärkung des Erdgasbinnenmarktes und der Vorsorge für den Fall einer Versorgungskrise. Sie sieht einen umfassenden Maßnahmenkatalog und die nationale Implementierung eines dreistufigen Eskalationssystems (Frühwarn-, Alarm- und Notfallstufe) für den Fall einer Versorgungskrise vor. Darüber hinaus werden die Mitgliedstaaten verpflichtet, im Rahmen von Präventions- und Notfallplänen das vorgesehene Krisenmanagement nebst präventiven Maßnahmen vorab festzulegen.

National sind die Vorgaben der SoS-VO umgesetzt im

  • Energiewirtschaftsgesetz (EnWG),
  • Gesetz zur Sicherung der Energieversorgung (Energiesicherungsgesetz 1975 - EnSiG) und
  • in der Verordnung zur Sicherung der Gasversorgung in einer Versorgungskrise (Gassicherungsverordnung - GasSV).

Deutsche Präventions- und Notfallpläne

Präventionsplan Gas für die Bundesrepublik Deutschland

Notfallplan Gas für die Bundesrepublik Deutschland

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) ist die zuständige Behörde für die Sicherstellung der in der SoS-VO genannten Maßnahmen.
Präventionsplan Gas für die Bundesrepublik DeutschlandNotfallplan Gas für die Bundesrepublik Deutschland

Durchführung Risikoanalyse

Die Bundesnetzagentur ist gem. § 54a EnWG für die Durchführung der Risikoanalyse bezüglich der Sicherheit der Erdgasversorgung in Deutschland zuständig.

Permanente bidirektionale Kapazitäten

In § 54a EnWG wird ebenfalls geregelt, dass das BMWi die Aufgaben im Rahmen des Verfahrens gem. Anhang III der SoS-VO an die Bundesnetzagentur überträgt. Bei diesem Verfahren handelt es sich um die Schaffung von permanenten bidirektionalen Kapazitäten durch die FNB auf allen Verbindungsleitungen zwischen Mitgliedsstaaten. Unter bestimmten Voraussetzungen kann auf Antrag eine Ausnahme von dieser Verpflichtung gewährt werden.

Dazu hat die Bundesnetzagentur am 5. August 2019 ein Verfahren eingeleitet, nachdem die deutschen FNB Gascade Gastransport GmbH, Gasunie Deutschland Transport Services GmbH, Ontras Gastransport GmbH und Fluxys Deutschland GmbH zuvor einen Antrag auf Gewährung einer Ausnahme von der Schaffung permanenter bidirektionaler Kapazitäten an der neuen Verbindungsleitung „Deutschneudorf-EUGAL“ zwischen Deutschland und Tschechien gestellt hatten.

Am 5. Februar 2020 wurde das Verfahren abgeschlossen. Die Entscheidung ist im Folgenden veröffentlicht. Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse wurden geschwärzt.

Reverse Flow Entscheidung (Az. 609-18-64) (pdf / 93 KB) (deutsche Fassung)
Reverse Flow Entscheidung (Az. 609-18-64) (pdf / 110 KB) (englische Fassung)