Ak­tu­el­le La­ge der Gas­ver­sor­gung in Deutsch­land

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) hat am 23.06.2022 die Alarmstufe des Notfallplans in Deutschland ausgerufen (FAQ des BMWK zum Notfallplan Gas). Die Alarmstufe folgt auf die am 30.03.2022 ausgerufene Frühwarnstufe.

Lagebericht (Stand 23.09.2022; 13 Uhr)

  • Seit dem 23.06.2022 gilt die Alarmstufe des Notfallplans.
  • Die Lage ist angespannt und eine weitere Verschlechterung der Situation kann nicht ausgeschlossen werden. Die Gasversorgung in Deutschland ist im Moment aber stabil. Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist derzeit weiter gewährleistet. Die Bundesnetzagentur beobachtet die Lage genau und steht in engem Kontakt zu den Netzbetreibern.
  • Es gibt weiterhin keine Gaslieferungen durch die Nord Stream 1.
  • Im September finden zahlreiche Wartungsarbeiten an der europäischen Gasinfrastruktur statt, etwa in Belgien und Norwegen. Nach Einschätzung der Bundesnetzagentur (u.a. basierend auf Angaben der Marktbeteiligten) sind die Wartungsarbeiten für die Versorgungssicherheit in Deutschland nicht relevant. Potentielle, temporäre Rückgänge der Import- und Exportflüsse, die im Zusammenhang mit den Wartungen stehen, werden zum Teil direkt über andere Quellen ausgeglichen.
  • Es wird weiter eingespeichert. Der Gesamtspeicherstand in Deutschland liegt bei 90,53 %. Der Füllstand des Speichers Rehden beträgt 74,63 %.
  • Vom 12.09.2022 bis zum 24.09.2022 (jeweils 06:00 Uhr) findet eine geplante Wartung am Speicher Rehden statt. In diesem Zeitraum wird in den Speicher weder eingespeichert noch ausgespeichert.
  • Die Großhandelspreise schwanken stark, bewegen sich aber weiterhin auf sehr hohem Niveau. Unternehmen und private Verbraucher müssen sich auf deutlich steigende Gaspreise einstellen.
  • Die Bundesnetzagentur betont ausdrücklich die Bedeutung eines sparsamen Gasverbrauchs.

Informationen zu den Daten

Gasverbrauch Industrie
Die Bundesnetzagentur greift bei der Darstellung des wöchentlichen Erdgasverbrauchs der Industrie nicht auf Berechnungen zurück, sondern auf gemessene Werte bei der Trading Hub Europe. Hierbei handelt es sich um Bilanzierungsdaten von allen rund 40.000 RLM-Kunden, also von Verbrauchern aus Industrie und Gewerbe, die typischer Weise einen Jahresverbrauch von mehr als 1,5 GWh aufweisen. Auch diese Daten gelten als vorläufig und werden bis zur finalen Abrechnung aktualisiert.

Gasverbrauch Gesamt
Die Bundesnetzagentur ermittelt den monatlichen Erdgasverbrauch durch Berechnung. Dabei werden vom gesamten Gasaufkommen als Summe aus Importen, Ausspeicherungen und Produktion die Exportdaten und Einspeicherungen abgezogen. Die Differenz ergibt den Verbrauch.
Datengrundlage für die Ein- und Ausspeicherungen sind Werte von https://agsi.gie.eu/ . Datengrundlage für alle übrigen Werte sind Meldungen zu Lastflüssen, die der Bundesnetzagentur von den deutschen Fernleitungsnetzbetreibern übermittelt werden. Sie sind nicht einzelnen Verbrauchern zuzuordnen, unterliegen permanenten Schwankungen und gelten deshalb als vorläufig. Sie werden kontinuierlich aktualisiert.

Der Gasfluss, der in Mallnow eingespeist wird, befindet sich seit Wochen auf der Nulllinie. Ist das normal?

Der reale Gasfluss an den Grenzübergangspunkten zwischen zwei Ländern ergibt sich aus den Nominierungen. Nominierungen werden die Transportbestellungen der einzelnen Transportkunden genannt und spiegeln die Nachfrage nach Erdgas wider. Nominierungen können als Im- und Export gebucht werden.

Seit Jahresanfang verläuft der Gasfluss in Mallnow überwiegend von Deutschland nach Polen. Das Gas wird also exportiert. Die importierte Menge Gas ist dann Null.

Technische Beschränkungen, die zu einem verringerten Gastransport führen, können etwa Wartungs- oder Instandhaltungsarbeiten an den betreffenden oder vorgelagerten Anlagen sein.

Die Füllstände der Gasspeicher sind in Prozent angegeben. Welche Vorgaben müssen erfüllt werden?

Damit die Speicher im kommenden Winter ausreichend befüllt sind, hat der Bundestag ein entsprechendes Gesetz beschlossen. Die dort vorgesehenen Füllstandsvorgaben wurden noch einmal durch eine Rechtsverordnung angepasst, die zum 29.07.2022 in Kraft getreten ist. Demnach müssen die Gasspeicher zum 1. Oktober 2022 zu 85 Prozent und zum 1. November 2022 zu 95 Prozent befüllt sein. Zum 1. Februar des darauffolgenden Jahres gilt dann wieder eine Mindestfüllmenge von 40 Prozent.

Die Bundesnetzagentur hält die Füllstände ständig im Auge. Sie wird alle notwendigen Anstrengungen unternehmen, die Vorgaben des EnWG zu erfüllen.

Warum nimmt die eingespeicherte Menge beim Befüllen einiger Erdgasspeicher über die Zeit ab?

Mit steigendem Füllstand erhöht sich auch der Druck im Inneren des Gasspeichers. Das Gas wird komprimiert, damit mehr Gas in das feste Volumen des Speichers eingespeichert werden kann. Die Kraft, die aufgewendet werden muss, um gegen diesen Gegendruck des Gases anzuarbeiten, nimmt zu – ähnlich wie bei einem Fahrradreifen, der immer schwerer aufzupumpen ist, je voller er wird. Deshalb kann die pro Tag eingespeicherte Menge bei höheren Füllständen eines Speichers aus technischen Gründen abnehmen. Dies gilt auch für den Speicher Rehden.

Was bedeutet: „Seit 18.3.2022 wird im Saldo überwiegend eingespeichert“?

„Im Saldo“ meint die Differenz zwischen Einspeisung und Ausspeisung. Wenn die Gaslieferung ankommt, wird sie in die Speicher eingespeist und aufbewahrt. Von Ausspeisung spricht man, wenn das Gas entnommen und verwendet wird.

Szenarien Gasversorgung (Stand 03.08.2022)

Hintergrundinformationen

Alles zum Notfallplan Gas, den Warnstufen, dem Krisenteam, den nötigen Vorbereitungen, der Rolle der Bundesnetzagentur als Bundeslastverteiler und zu den Datenabfragen finden Sie hier.

Treuhänderschaft Securing Energy for Europe (SEFE)

Hier finden Sie Informationen zur Treuhänderschaft der Bundesnetzagentur.

Daten

Gasverbrauch Industriekunden  
(wöchentlich)
in GWh/Tag
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Gasverbrauch Industriekunden  
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in GWh/Tag
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Verbrauchsveränderung Industriekunden in Prozent gegenüber Mittelwert 2018-2021
in GWh/Tag
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Verbrauchsveränderung Industriekunden in Prozent gegenüber Mittelwert 2018-2021 in GWh/Tag
0500100015002000Mittel 2018-20210500100015002000JanFebMrzAprMaiJunJulAugSepOktNovDez2022
Monatlicher Erdgasverbrauch 
in Deutschland
in TWh/Monat
Download Daten als CSV
Monatlicher Erdgasverbrauch 
in Deutschland
in TWh/Monat
0306090120150180JanFebMrzAprMaiJunJulAugSepOktNovDez20222021-8 °C-6 °C-4 °C-2 °C0 °C2 °C4 °C6 °C8 °C10 °C12 °C14 °C16 °CDurchschnittstemperatur 2022

Umlagen ab 1. Oktober 2022

Gasumlage zur Sicherung der Gas- und Wärmeversorgung

Wegen der Gasknappheit, steigender Großhandelspreise und zur Vermeidung von Insolvenzen und Lieferausfällen kann ab dem 1. Oktober 2022 eine Gasumlage von 2,419 ct/kWh erhoben werden. Die Umlage ist bis zum 1. April 2024 befristet. Sie kann alle drei Monate anhand der tatsächlichen Kostenhöhe aktualisiert werden.
(§ 26 EnSiG)

FAQ BMWK
Trading Hub Europe - FAQ zu Gasbeschaffungsumlage/Gasspeicherumlage (pdf / 78 KB)

Speicherumlage

Die Speicherumlage soll die Kosten für die Einspeicherung von Gas nach § 35e EnWG decken. Sie wird ab dem 1. Oktober 2022 bis zum Frühjahr 2025 erhoben.

Ihre Höhe beträgt 0,059 ct/kWh für die Dauer von drei Monaten.

Trading Hub Europe - FAQ zu Gasbeschaffungsumlage/Gasspeicherumlage (pdf / 78 KB)

Bilanzierungsumlage

Bilanzierungsumlagen sollen die Kosten für Regelenergie decken.

Die SLP Bilanzierungsumlage wird auf 5,70 EUR/MWh festgelegt, die RLM Bilanzierungsumlage auf 3,90 EUR/MWh.

Trading Hub Europe - FAQ zu Bilanzierungsumlagen/Konvertierungsentgelt und -umlage/VHP-Entgelt (pdf / 64 KB)

Konvertierungsentgelt/Konvertierungsumlage

Für die Konvertierung von H-Gas nach L-Gas wird ein Konvertierungsentgelt in Höhe von 0,45 EUR/MWh und eine Konvertierungsumlage in Höhe von 0,38 EUR/MWh erhoben.

Trading Hub Europe - FAQ zu Bilanzierungsumlagen/Konvertierungsentgelt und -umlage/VHP-Entgelt (pdf / 64 KB)

Archiv

Hier finden Sie ein Archiv der Lageberichte.

September 2022

August 2022

Juli 2022

Juni 2022

Mai 2022

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