Ak­tu­el­le La­ge der Gas­ver­sor­gung in Deutsch­land

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) hat am 23.06.2022 die Alarmstufe des Notfallplans in Deutschland ausgerufen (FAQ des BMWK zum Notfallplan Gas). Die Alarmstufe folgt auf die am 30.03.2022 ausgerufene Frühwarnstufe.

Lagebericht (Stand 11.08.2022; 13 Uhr)

  • Seit dem 23.06.2022 gilt die Alarmstufe des Notfallplans.
  • Die Lage ist angespannt und eine weitere Verschlechterung der Situation kann nicht ausgeschlossen werden. Die Gasversorgung in Deutschland ist im Moment aber stabil. Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist derzeit weiter gewährleistet.
  • Die Gasflüsse aus der Nord Stream 1 liegen derzeit bei etwa 20 % der Maximalleistung.
  • Es wird weiter eingespeichert. Der Gesamtspeicherstand in Deutschland liegt bei 73,72 %. Der Füllstand des Speichers Rehden beträgt 51,45 %.
  • Die Großhandelspreise liegen in Folge der erneuten Lieferreduzierung weiterhin auf sehr hohem Niveau.
  • Unternehmen und private Verbraucher müssen sich auf deutlich steigende Gaspreise einstellen.

Szenarien Gasversorgung (Stand 03.08.2022)

Fragen und Antworten zu den Grafiken

Der Gasfluss, der in Mallnow eingespeist wird, befindet sich seit Wochen auf der Nulllinie. Ist das normal?

Der reale Gasfluss an den Grenzübergangspunkten zwischen zwei Ländern ergibt sich aus den Nominierungen. Nominierungen werden die Transportbestellungen der einzelnen Transportkunden genannt und spiegeln die Nachfrage nach Erdgas wider. Nominierungen können als Im- und Export gebucht werden.

Seit Jahresanfang verläuft der Gasfluss in Mallnow überwiegend von Deutschland nach Polen. Das Gas wird also exportiert. Die importierte Menge Gas ist dann Null.

Technische Beschränkungen, die zu einem verringerten Gastransport führen, können etwa Wartungs- oder Instandhaltungsarbeiten an den betreffenden oder vorgelagerten Anlagen sein.

Die Füllstände der Gasspeicher werden mit Prozent angegeben. An manchen Tagen lagen diese deutlich unter 30. Ist das nicht viel zu wenig?

Nein, das ist nicht ungewöhnlich für die Jahreszeit.

Die Gasspeicher werden im Sommer gefüllt, also in den Monaten, in denen wenig geheizt und deshalb wenig Gas verbraucht wird. Am 1. November liegen die Füllstände dann ungefähr bei 90 Prozent.

Damit die Speicher im kommenden Winter ausreichend befüllt sind, hat der Bundestag ein entsprechendes Gesetz beschlossen. Die dort vorgesehenen Füllstandsvorgaben wurden noch einmal durch eine Rechtsverordnung angepasst, die zum 29.07.2022 in Kraft getreten ist. Demnach müssen die Gasspeicher zum 1. Oktober 2022 zu 85 Prozent und zum 1. November 2022 zu 95 Prozent befüllt sein. Zum 1. Februar des darauffolgenden Jahres gilt dann wieder eine Mindestfüllmenge von 40 Prozent.

Die Bundesnetzagentur hält die Füllstände ständig im Auge. Sie wird alle notwendigen Anstrengungen unternehmen, die Vorgaben des EnWG zu erfüllen.

Warum fallen die Füllstände der Gasspeicher jährlich zum 1. April unterschiedlich hoch aus?

Die Höhe der Füllstände hängt vom Gasverbrauch ab. Hierbei ist es wiederum entscheidend, wie kalt der Winter ist und wie viel infolgedessen geheizt wird. Viel heizen bedeutet also niedriger Füllstand.

Im Sommer speichern die Lieferanten Gas ein, um es im Winter, wenn der Verbrauch höher ist, wieder auszuspeichern. Wird im Verlauf des Winters wenig Gas benötigt, weil es nicht kalt war, kann der Füllstand der Speicher zu Beginn des Sommerhalbjahres deutlich höher sein als in den Jahren, in denen der Winter kälter oder länger war.

Was bedeutet: „Seit 18.3. wird im Saldo überwiegend eingespeichert“?

„Im Saldo“ meint die Differenz zwischen Einspeisung und Ausspeisung. Wenn die Gaslieferung ankommt, wird sie in die Speicher eingespeist und aufbewahrt. Von Ausspeisung spricht man, wenn das Gas entnommen und verwendet wird.

Warum bricht der Gasfluss aus der NordStream-Pipeline ab Mitte März ein?

Ab Mitte März herrschten in Deutschland ungewöhnlich hohe Temperaturen; an manchen Tagen wurde es wärmer als 20 Grad. In der Folge wurde weniger geheizt. Die Gasnetzlieferanten reagieren darauf in der Regel, indem sie weniger Gasmengen anmelden. In der Fachsprache heißt das „nominieren“. Der Gasverbrauch ist stark von der Temperatur abhängig. Der Winterbedarf liegt ungefähr achtmal höher als der im Sommer.

 

 

Hintergrundinformationen

Alles zum Notfallplan Gas, den Warnstufen, dem Krisenteam, den nötigen Vorbereitungen, der Rolle der Bundesnetzagentur als Bundeslastverteiler und zu den Datenabfragen finden Sie hier.

Treuhänderschaft Gazprom Germania

Hier finden Sie Informationen zur Treuhänderschaft der Bundesnetzagentur.

Daten

Gasflüsse aus 
Russland
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Gasflüsse aus 
Russland
in GWh/Tag
10.08.2229.07.2217.07.2206.07.2224.06.2213.06.2201.06.2220.05.2209.05.2227.04.2216.04.2204.04.2224.03.2212.03.22020040060080010001200140016001800WaidhausMallnowGreifswald
Monatlicher Erdgasverbrauch 
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