Fra­gen und Ant­wor­ten

Uns erreichen zahlreiche Anfragen zur Gasversorgung in Deutschland. Hier beantworten wir Ihnen häufig gestellte Fragen.

Woher bezieht Deutschland sein Gas?

Deutschland verfügt über unterschiedliche Importmöglichkeiten. Gasmengen können über Pipelines (insbesondere aus Norwegen) sowie über LNG-Terminals importiert werden. Gas vom Persischen Golf spielt für die deutsche Versorgung keine wesentliche Rolle, da Deutschland seine LNG-Lieferungen derzeit im Wesentlichen aus den USA bezieht. Da die Beschaffung durch privatwirtschaftliche Akteure erfolgt, die nicht reguliert werden, erhebt die Bundesnetzagentur keine Daten zu den konkreten Lieferländern.

Wie sicher ist die deutsche Gasversorgung?

Für die Versorgungssicherheit ist ein Zusammenspiel von Pipeline- und LNG-Importen, Speichern, Infrastruktur und Nachfrage entscheidend. Gasspeicher und LNG-Terminals stellen dem deutschen und europäischen Gasmarkt Flexibilität zur Verfügung, während Pipelinelieferungen als Bandlastlieferungen über das gesamte Jahr relativ gleichmäßig Gas nach Deutschland und Europa importieren. Es sind ausreichend Gasmengen auf dem Markt verfügbar, die Händler und Lieferanten beschaffen könnten, wenn dies notwendig erschiene.

Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil. Die Versorgungssicherheit ist aktuell gewährleistet. Die Bundesnetzagentur schätzt die Gefahr einer angespannten Gasversorgung nach aktuellem Erkenntnisstand weiterhin als gering ein. 

Welche Rolle spielen LNG-Terminals für die Gasversorgung?

Deutschland importiert das meiste Gas aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien. Teile der Gasmengen aus den Niederlanden und Belgien stammt aus LNG. Rund 11 Prozent der Gesamtimporte kommen über die deutschen LNG-Terminals an Nord- und Ostsee. Die LNG-Terminals stellen eine zusätzliche Versorgungsabsicherung für Deutschland und den europäischen Gasbinnenmarkt dar.

Welche Rolle spielen Gasspeicher für die Gasversorgung?

Gasspeicher sind ein wichtiger Baustein in der Versorgungssicherheit. Allerdings hat sich ihre Bedeutung verändert. Früher waren sie die einzige Flexibilitätsquelle, inzwischen ist LNG als weitere Flexibilitätsquelle hinzugetreten. Insofern ergänzen sich Speicher- und LNG-Mengen, da Speichermengen kurzfristiger verfügbar sind, während LNG-Importe einen gewissen zeitlichen Vorlauf brauchen, dafür aber bedarfs- und preisgetrieben auch noch in größerem Maße nachbeschafft werden können.  Insofern sind aktuelle Gasspeicherfüllstände das Resultat einer marktlichen Befüllung. Hierbei sind die Gasspeicher untereinander nicht vollständig vergleichbar und haben abhängig von ihrer Flexibilität einen differenzierten Marktwert. Die Marktakteure betrachten Pipelinelieferungen, LNG-Importe und Speichermengen zusammengefasst und kombinieren diese zur Mengenbereitstellung.

Wer ist für die Befüllung der Gasspeicher zuständig?

Die Befüllung der Speicher ist grundsätzlich eine Aufgabe der Marktakteure, insbesondere von Gashändlern- und lieferanten. Sie haben Lieferverpflichtungen gegenüber Stadtwerken, Industrie und anderen Kunden und müssen sich ausreichend absichern. Dies gilt auch für die Versorgung in einem kalten Winter. Dabei greifen sie auf Pipelineimporte, LNG-Importe und eingespeicherte Mengen zurück und nehmen eine preisliche Optimierung ihrer Beschaffung vor. Hierfür ergänzen sich LNG- und Speichermengen. Die Marktakteure speichern deshalb die Mengen ein, die sie benötigen. Falls ein Marktakteur mal etwas knapp kalkuliert und spät im Jahr zu hohen Preisen nachkaufen muss, hat er für das nächste Jahr einen Anreiz früher und mehr einzuspeichern. Dies wäre ein normaler Marktverlauf, den es früher so nicht gab und der für die Zukunft der Erdgasversorgung wichtig und richtig ist.

Warum war der Speicherfüllstand im Sommer 2026 niedriger als in den Vorjahren?

Die Gasspeicher haben sich erwartungsgemäß über den Winter geleert.

Dass die Speicherfüllstände am Ende dieses Sommers niedriger als in den Vorjahren sind, hängt mit dem Einspeicherverhalten der Marktakteure zusammen. Vor allem durch zusätzliche LNG-Importkapazitäten in Deutschland und Anlandungsmöglichkeiten über ganz Europa kommt den Speichern insgesamt eine andere Bedeutung zu. Die Marktverhältnisse haben sich geändert, Gashändler können Mengen auch aus LNG-Lieferungen beziehen und nehmen dabei eine preisliche Optimierung vor. Deshalb können Speicherfüllstände nicht mehr allein zur Bewertung der Versorgungslage herangezogen werden. Es ist nicht zu erwarten, dass die Gasspeicher noch einmal die Füllstände wie vor dem russischen Lieferstopp aufweisen werden.

Was passiert, wenn die Füllstandsziele nicht erreicht werden?

Die Verantwortung für die ausreichende Befüllung liegt bei den Marktakteuren, also insbesondere Gashändlern und Lieferanten (sog. Speichernutzer). Die rechtlichen Folgen richten sich nach den §§ 35a ff. EnWG und haben insbesondere den Entzug gebuchter Speicherkapazitäten zur Folge, sofern das für die Sicherstellung der Versorgungssicherheit notwendig erscheint. Die Bundesnetzagentur hat keine Hinweise darauf, dass die Händler und Lieferanten ihrer Verpflichtung zur Sicherstellung der Belieferung ihrer Kunden nicht nachkommen. Das gilt sowohl bei einem kalten Verlauf des Winters als auch unter Berücksichtigung von vorhersehbaren Störungen in der Lieferkette.

Ist Deutschland auf einen kalten Winter vorbereitet?

Die Wintervorsorge ist grundsätzlich eine Aufgabe der Marktakteure, also Gashändler und Lieferanten. Sie haben Lieferverpflichtungen gegenüber Stadtwerken, Industrie und anderen Kunden und müssen sich ausreichend absichern. Dabei greifen sie auf Pipeline-Importe, LNG-Importe und eingespeicherte Mengen zurück und nehmen eine preisliche Optimierung ihrer Beschaffung vor. Vor diesem Hintergrund geht die Bundesnetzagentur davon aus, dass die Händler und Versorger ihren Verpflichtungen nachkommen und eine kostenoptimierte Versorgung ihrer Kunden gewährleisten. Diesen Verpflichtungen sind sie bisher auch immer nachgekommen und die Bundesnetzagentur hat keine Hinweise darauf, dass sie diesen Verpflichtungen nicht auch in einem kalten Winter nachkommen könnten.

Welche Vorsorge treffen Gashändler für einen kalten Winter?

Gashändler und Lieferanten haben aufgrund ihrer Erfahrung und den kundenspezifischen Verbrauchsprofilen ein realistisches Gesamtbild des Verbrauchs unter verschiedenen Temperaturbedingungen. Sie beschaffen Mengen nach einem durchschnittlichen Bedarf, sichern sich den Zugriff auf weitere Mengen aber durch verschiedene Flexibilitätsoptionen ab, um auf einen kurzfristigen Leistungsanstieg reagieren zu können. Insofern treffen sie auch Vorsorge für einen sehr kalten Winter.

Die Händler wissen, welche Importkapazitäten und welche Ausspeisekapazitäten aus den Speichern ihnen zu bestimmten Zeitpunkten zur Verfügung stehen und welchen Verbrauch sie damit bedienen müssen. Vor diesem Hintergrund wägen sie den Einsatz der Flexibilitätsinstrumente ab und bewerten letztlich, welche Mengen sie in Speichern vorhalten müssen. Hinzu kommt, dass wir einen europäischen Binnenmarkt haben, sodass Speichermengen – je nach Netzsituation – auch in anderen europäischen Ländern vorgehalten werden können.

Wie sieht die Bundesnetzagentur die Planungen für eine strategische Gasreserve und welchen Nutzen hätte sie für die Wintervorsorge?

Die Bundesnetzagentur begrüßt die Überlegungen zur Einführung einer strategischen Gasreserve. Was die Marktakteure nicht berücksichtigen können, sind exogene Schocks mit erheblichen Mengen- oder Importausfällen (wie z.B. Folgen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine). Solche Fälle können über das Instrument einer strategischen Gasspeicherreserve abgesichert werden. Die Reserve kann die marktliche Vorsorge ergänzen und die Folgen möglicher exogener Schocks abfedern. Sie sollte deshalb allein im Fall der Bundeslastverteilung eingesetzt werden.

Sie spielt daher auch keine Rolle für die Wintervorsorge, da diese eine Aufgabe der Marktakteure ist. Gashändler und Lieferanten beschaffen die erforderlichen Gasmengen und die Netzbetreiber kümmern sich um den zuverlässigen Transport der importierten Mengen über das Erdgasnetz.

Von Montag bis Freitag veröffentlicht die Bundesnetzagentur im Lagebericht eine Einschätzung zur Gasversorgung in Deutschland.
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