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Re­dis­patch

Unter Redispatch versteht man Eingriffe in die Erzeugungsleistung von Kraftwerken, um Leitungsabschnitte vor einer Überlastung zu schützen. Droht an einer bestimmten Stelle im Netz ein Engpass, werden Kraftwerke diesseits des Engpasses angewiesen, ihre Einspeisung zu drosseln, während Anlagen jenseits des Engpasses ihre Einspeiseleistung erhöhen müssen. Auf diese Weise wird ein Lastfluss erzeugt, der dem Engpass entgegenwirkt.

Der schrittweise Ausstieg aus der Kernenergie und die vermehrte Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien wirken sich auf die Lastflüsse im Netz aus und führen dazu, dass Netzbetreiber häufiger als bisher Redispatch-Maßnahmen vornehmen müssen.
Zudem muss die Kompensation fehlender Blindleistung sichergestellt werden. Blindleistung wird zur Spannungshaltung in den Übertragungsnetzen benötigt und muss gleichmäßig verteilt bereitgestellt werden.

Mindestfaktor-Festlegung Konsultation

Die Bundesnetzagentur hat am 8. Juni 2020 die Ergebnisse der vorläufigen Abwägung für die Mindestfaktoren-Festlegung in Form eines Eckpunktepapiers bis zum 17. Juli 2020 zur Konsultation gestellt.

Die finale Fassung wird auf Grundlage der Konsultationsergebnisse veröffentlicht.

Hintergrund zur Mindestfaktor-Festlegung

Es ist die Aufgabe der Bundesnetzagentur, bis zum 1. Dezember 2020 sogenannte „Mindestfaktoren“ für die Abregelung von EE- und KWK-Strom festzulegen (§ 13j Abs. 6 EnWG). Die Festlegung ist im Einvernehmen mit dem Umweltbundesamt zu treffen und soll gemeinsam mit den Neuregelungen des Redispatch 2.0 zum 1. Oktober 2021 in Kraft treten.

Die beiden Mindestfaktoren haben die Funktion, den Einspeisevorrang von EE- und KWK-Strom zu konkretisieren und die Integration des bisherigen Einspeisemanagements in den Mechanismus des künftigen Redispatch 2.0 zu ermöglichen.

Hintergrund ist, dass mit dem neuen System des Redispatch 2.0 das bisher getrennt geregelte Einspeisemanagement in einen gemeinsamen, gesamtoptimierten Mechanismus integriert wird. Um den – auch europarechtlich gebotenen – Einspeisevorrang in dem gemeinsamen Auswahlmechanismus praktisch umzusetzen, geben die Mindestfaktoren vor, um wie viel besser die Abregelung von vorrangberechtigtem EE- und KWK-Strom gegenüber der Abregelung von konventioneller Erzeugung wirken muss, um in die Fahrweise dieser vorrangberechtigten Erzeugung eingreifen zu dürfen. Wenn die Abregelung von konventioneller Erzeugung zur Entlastung eines Engpasses geeignet ist, kann auf die Abregelung von EE- oder KWK-Strom nur dann zurückgegriffen werden, wenn diese um ein Vielfaches wirksamer ist.

Für die Umsetzung der Mindestfaktoren sind wiederum geeignete „kalkulatorische“ Preise für die Abregelung von EE- und KWK-Strom zu bestimmen, die im Rahmen des Auswahlmechanismus für das erweiterte Redispatch 2.0 angesetzt werden. Die Bundesnetzagentur plant, im Rahmen der Mindestfaktor-Festlegung zugleich Vorgaben zur Bestimmung und Veröffentlichung dieser kalkulatorischen Preise durch die Netzbetreiber zu treffen (§ 13j Abs. 5 Nr. 2 EnWG).

Die Bundesnetzagentur hat die Einleitung des Verfahrens zur Festlegung von näheren Bestimmungen im Zusammenhang mit den Mindestfaktoren (Mindestfaktor-Festlegung) im Amtsblatt Nr. 15 vom 7. August 2019 veröffentlicht (AZ: PGMF-8116-EnWG-§13j).

Sie hat nunmehr eine vorläufige Abwägung zur Bestimmung der Mindestfaktoren und zum Verfahren der Bestimmung und Veröffentlichung der kalkulatorischen Preise vorgenommen. Die Bundesnetzagentur stellt die Ergebnisse der Abwägung in Form eines Eckpunktepapiers zur Konsultation.

Bericht zur Netz- und Systemsicherheit

Den aktuellen Bericht zur Netz- und Systemsicherheit mit den entsprechenden Maßnahmen finden Sie auf dieser Seite.

Festlegung zur Standardisierung vertraglicher Rahmenbedingungen

Da auch Kraftwerksbetreiber eine Verantwortung für die Stabilität der Netze tragen, sind sie nach dem EnWG dazu verpflichtet, auf Anforderung der ÜNB an bestimmten Maßnahmen zur Sicherung der Netzstabilität mitzuwirken. Die Details regelt eine Festlegung der Bundesnetzagentur. Damit soll sichergestellt werden, dass die Netze den jetzt erhöhten Anforderungen weiterhin standhalten.

Die Festlegung zur Standardisierung vertraglicher Rahmenbedingungen für Eingriffsmöglichkeiten der ÜNB in die Fahrweise von Erzeugungsanlagen (BK6-11-098) vom 30. Oktober 2012 finden Sie im Internetangebot der Beschlusskammer 6. Dort sind auch Hinweise zur Durchführung von Redispatch-Maßnahmen vor dem Hintergrund der Urteile des OLG Düsseldorf vom 28. April 2015 und die Aufhebung der Festlegung vom 15. Juni 2015 veröffentlicht.

Festlegung zur angemessenen Vergütung von Redispatch-Maßnahmen

Im Oktober 2018 erfolgte die Feststellung einer wirksamen Verfahrensregulierung der Kosten und Erlösen bzw. Erträgen aus der Beschaffung und Vergütung von Redispatch-Maßnahmen nach § 13 Abs. 1 Nr. 2 EnWG: BK8-18-0007-A

Hintergrund: Die angemessene Vergütung wurde ursprünglich in der Festlegung BK8-12-019 vom 30. Oktober 2012 geregelt. Das OLG Düsseldorf hob die Festlegung von Kriterien für die Bestimmung einer angemessenen Vergütung mit Beschluss vom 28. April 2015 in einigen Musterbeschwerdeverfahren auf. Mit Beschluss vom 19. August 2015 hat daher die BK 8 die Festlegung gegenüber allen Adressaten rückwirkend aufgehoben.