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Insolvenz des Energielieferanten

Wenn Ihr Lieferant insolvent ist oder der Netzbetreiber ihm die Netznutzung verweigert, müssen Sie sich um Ihre Energieversorgung keine Sorgen machen. Trotzdem sind einige wichtige Punkte zu beachten.

Unser Hinweispapier zur Insolvenz des Energielieferanten (pdf / 614 KB)

Informationen zur Musterfeststellungsklage gegen die BEV (Bayerische Energieversorgungsgesellschaft mbH) finden Sie auf den Seiten des vzbv und des Bundesamts für Justiz.

Mein insolventer Energieversorger hat die Lieferung eingestellt

Wenn Ihr insolventer Energielieferant Sie nicht mehr beliefern kann, übernimmt der örtliche Grund-/Ersatzversorger Ihre Energiebelieferung. Der Grund-/Ersatzversorger ist in solchen Fällen gesetzlich dazu verpflichtet.

Der Grund-/Ersatzversorger muss Sie - unmittelbar nachdem er davon Kenntnis hat, dass Sie nun von ihm mit Energie versorgt werden - über die Ersatzversorgung, die Preise und Vertragsbedingungen informieren. Er wird Sie in den Ersatzversorgungstarif einstufen, der in den meisten Fällen teurer als andere Tarife ist.

Wenn Sie in der Ersatzversorgung sind, können Sie sich jederzeit und ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist einen neuen Lieferanten suchen. Weitere Informationen über den Lieferantenwechsel.

Was muss ich tun, wenn das insolvente Unternehmen die Belieferung stoppt?

Sie sollten unverzüglich

  • den Zählerstand ablesen und die Daten dem Netzbetreiber, dem örtlichen Grund-/Ersatzversorger und dem bisherigen Lieferanten mitteilen
  • Ihre erteilte Einzugsermächtigung beim insolventen Lieferanten widerrufen bzw. Daueraufträge bei Ihrer Bank löschen und anstehende Zahlungsverpflichtungen nur per Überweisung erfüllen
Sie können von Ihrem Energieliefervertrag zurücktreten.

Mein Lieferant ist insolvent, beliefert mich aber weiter

Allein durch die Insolvenz haben Sie kein Sonderkündigungsrecht.
Eine Kündigung des Vertrages ist nur unter Einhaltung der vertraglichen Kündigungsfristen möglich. Die Kündigungsfrist ergibt sich meist aus den AGB und darf drei Monate nicht überschreiten. Auf Ihrer letzten Abrechnung finden Sie einen Hinweis zu den Kündigungsmöglichkeiten.

Bezahlen Sie auf jeden Fall weiter Ihre monatlichen Abschläge.
Die Insolvenz berechtigt Sie nicht, Ihre Zahlungen einzustellen, wenn Ihr Lieferant weiterhin seinen vertraglichen Pflichten (in diesem Fall der Strom- oder Gasbelieferung) nachkommt.

Allerdings kann es sein, dass sich die Bankverbindung des Lieferanten wegen des Insolvenzverfahrens ändert. Informieren Sie sich daher vor der Begleichung des nächsten Abschlags beim Insolvenzverwalter, auf welches Konto künftige Zahlungen erfolgen sollen. Widerrufen Sie ggf. Ihre Einzugsermächtigung gegenüber Ihrem insolventen Lieferanten und/oder richten Sie einen neuen Dauerauftrag ein.

Auch Forderungen aus der Jahresabrechnung, die vor der Insolvenz in Rechnung gestellt wurden, müssen grundsätzlich an das insolvente Unternehmen gezahlt werden.
Bevor Sie die Forderungen begleichen, sollten Sie aber auf jeden Fall die Abrechnung auf Richtigkeit überprüfen.

Erhalten Sie Abrechnungen im laufenden Insolvenzverfahren?
Sie werden im laufenden Insolvenzverfahren Abrechnungen und Zahlungsaufforderungen erhalten, die Sie darüber informieren, ob ein Guthaben oder eine Nachforderung besteht. Sie sollten auch in diesem Fall die Abrechnung sorgfältig auf ihre Richtigkeit überprüfen.

  • Ist die Nachforderung korrekt, ist der Betrag auf das vom Insolvenzverwalter angegebene Konto zu entrichten.
  • Ergibt sich ein Guthaben, können Sie dieses nur als Forderung zur Insolvenztabelle anmelden. Eine direkte Erstattung Ihres Guthabens erhalten Sie in einem laufenden Insolvenzverfahren nicht.

Wer stellt wann eine Schlussabrechnung?

Die Abrechnung für die gelieferte Energie erstellt der vorläufige Insolvenzverwalter.

Eine Schlussrechnung sollten Sie innerhalb von sechs Wochen nach Belieferungsende erhalten (§ 40 Abs. 4 EnWG).
Je nach Situation des Unternehmens zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags und der Zahl der betroffenen Kunden, ist häufig damit zu rechnen, dass diese Frist nicht eingehalten werden kann.

Prüfen Sie die Schlussrechnung sorgfältig auf Richtigkeit in Bezug auf Abschlagszahlungen, Zählerstände, Tarif usw. Wenn Sie Ihren insolventen Lieferanten bereits aufgefordert haben, Ihre Abrechnung zu korrigieren, dann wiederholen Sie Ihren Widerspruch gegenüber dem vorläufigen Insolvenzverwalter.

Sollte sich eine Nachzahlung an den Lieferanten ergeben, müssen Sie diese auf das Sonderkonto des vorläufigen Insolvenzverwalters einzahlen.

Ausstehende Guthaben oder Bonuszahlungen werden Ihnen während des vorläufigen Insolvenzverfahrens nicht erstattet.

Wann kann ich meine Forderungen beim Insolvenzverwalter anmelden?

Erst wenn das Insolvenzverfahren offiziell eröffnet wurde, können Sie Ihre Forderungen beim Insolvenzverwalter anmelden.

Sobald das Insolvenzverfahren eröffnet wird, erhalten Sie vom Insolvenzverwalter ein Formular, mit dem Sie Ihre Forderungen anmelden können. Wenn Ihnen der Vordruck nicht zugeschickt wird, sollten Sie sich umgehend an den Insolvenzverwalter wenden. Die Erfahrungen zeigen allerdings, dass Kunden oft nur einen kleinen Teil ihrer Forderungen zurückerhalten und sich das Verfahren mehrere Jahre hinziehen kann.

Ob ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnet wird, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, u.a. ob die Kosten eines Verfahrens mit dem vorhandenen Vermögen abgedeckt sind und wie die wirtschaftliche und rechtliche Situation des Unternehmens bewertet wird. Dies kann Wochen oder mehrere Monate dauern und mit dem Ergebnis enden, dass das Unternehmen entweder saniert oder abgewickelt wird. Außerdem kann die Eröffnung des Verfahrens grundsätzlich „mangels Masse“ abgewiesen werden, wenn das vorhandene Vermögen des Unternehmens nicht ausreicht.

Sie sollten sich regelmäßig über den aktuellen Stand des Insolvenzverfahrens z.B. unter  www.insolvenzbekanntmachungen.de informieren.

Sonderfall: Mein insolventer Energielieferant wurde von einem anderen Unternehmen übernommen

Das neue Unternehmen muss Ihren Altvertrag zunächst zu den gleichen Konditionen und Preisen übernehmen.

Nach Ablauf der Mindestvertragslaufzeit (die Laufzeit steht in Ihren Vertragsunterlagen) können Sie sich einen neuen Lieferanten suchen.

Ändert das andere Unternehmen die Vertrags- oder Preisbedingungen, dann haben Sie ein Sonderkündigungsrecht.
Mustervorlage zur Sonderkündigung wegen Preiserhöhung (pdf / 1 MB)