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Insolvenz des Energielieferanten

Wenn Ihr Lieferant insolvent ist oder ihm vom Netzbetreiber die Netznutzung verweigert wird, müssen Sie sich um Ihre Energieversorgung erst einmal keine Sorgen machen. Trotzdem sind einige wichtige Punkte zu beachten:

Was passiert, wenn mein insolventer Energieversorger nicht mehr liefert?

Wenn Ihr insolventer Energielieferant Sie nicht mehr beliefern kann, übernimmt der örtliche Grund-/Ersatzversorger Ihre Energiebelieferung. Der Grund-/Ersatzversorger ist in solchen Notfällen gesetzlich dazu verpflichtet.

Der Grund-/Ersatzversorger wird Sie in den Ersatzversorgungstarif einstufen, der in den meisten Fällen teurer als andere Tarife ist. Der Grund-/Ersatzversorger muss Sie unmittelbar nachdem er davon Kenntnis hat, dass Sie nun über ihn versorgt werden, über die Ersatzversorgung, die Preise und Vertragsbedingungen informieren.

Sie können sich, wenn Sie in der Ersatzversorgung sind, jederzeit und ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist einen neuen Lieferanten suchen. Hier finden Sie weitere Informationen darüber, was beim Lieferantenwechsel zu beachten ist.

Was muss ich tun, wenn das insolvente Unternehmen die Belieferung stoppt?

  • Sie sollten unverzüglich den Zählerstand ablesen und die Daten dem Netzbetreiber, dem örtlichen Grundversorger und dem bisherigen Lieferanten mitteilen.
  • Sie sollten sofort Ihre erteilte Einzugsermächtigung beim insolventen Lieferanten widerrufen bzw. Daueraufträge bei Ihrer Bank löschen und anstehende Zahlungsverpflichtungen nur per Überweisung erfüllen.
  • Sie können von Ihrem Energieliefervertrag zurücktreten.

Mein Lieferant ist insolvent, beliefert mich aber weiter

Was geschieht mit meinem Vertrag beim insolventen Unternehmen?

Durch die Insolvenz steht Ihnen kein Sonderkündigungsrecht zu. Eine Kündigung des Vertrages ist nur unter Einhaltung der vertraglichen Kündigungsfristen möglich.

Die Kündigungsfrist ergibt sich meist aus den AGB und darf drei Monate nicht überschreiten. Sie finden auf Ihrer letzten Abrechnung auch einen Hinweis zu den Kündigungsmöglichkeiten.

Muss ich meine monatlichen Abschläge weiterhin bezahlen?

Ja.
Die Insolvenz berechtigt Sie nicht dazu, Ihre Zahlungen einzustellen, wenn Ihr Lieferant weiterhin seinen vertraglichen Pflichten (in diesem Fall die Strom- oder Gasbelieferung) nachkommt.

Allerdings kann es sein, dass sich die Bankverbindung des Lieferanten aufgrund des Insolvenzverfahrens geändert hat. Informieren Sie sich daher vor der Begleichung des nächsten Abschlags beim Insolvenzverwalter, auf welches Konto künftige Zahlungen erfolgen sollen. Widerrufen Sie ggf. Ihre Einzugsermächtigung gegenüber Ihrem insolventen Lieferanten und/oder richten Sie einen neuen Dauerauftrag ein.

Muss ich offene Forderungen aus der aktuellen Jahresabrechnung bezahlen?

Forderungen aus der Jahresabrechnung, die vor der Insolvenz in Rechnung gestellt wurden, müssen grundsätzlich an das insolvente Unternehmen gezahlt werden. Bevor Sie die Forderungen begleichen, sollten Sie aber auf jeden Fall die Abrechnung auf Richtigkeit überprüfen.

Wie gehe ich mit Abrechnungen im Insolvenzverfahren um?

Sie werden im laufenden Insolvenzverfahren Abrechnungen und Zahlungsaufforderungen erhalten, die Sie darüber informieren, ob ein Abrechnungsguthaben oder eine Abrechnungsnachforderung besteht. Sie sollten auch in diesem Fall die Abrechnung sorgfältig auf Ihre Richtigkeit überprüfen. Ist die Nachforderung korrekt, ist der Betrag auf das vom Insolvenzverwalter angegebene Konto zu entrichten. Haben Sie auf der Abrechnung ein Guthaben, können Sie dieses nur als Forderung zur Insolvenztabelle anmelden. Eine direkte Erstattung Ihres Guthabens erhalten Sie in einem laufenden Insolvenzverfahren nicht.

Wann und von wem erhalte ich eine Schlussabrechnung?

Die Abrechnung für die gelieferte Energie erstellt der vorläufige Insolvenzverwalter. Eine Schlussrechnung sollten Sie innerhalb von sechs Wochen nach Belieferungsende erhalten (§ 40 Abs. 4 EnWG).
Je nach Situation des Unternehmens zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags und der Zahl der betroffenen Kunden ist häufig damit zu rechnen, dass diese Frist nicht eingehalten wird.

Die Schlussrechnung sollten Sie sorgfältig auf Richtigkeit in Bezug auf Abschlagszahlungen, Zählerstände, Tarif usw. prüfen. Haben Sie Ihren insolventen Lieferanten bereits aufgefordert, Ihre Abrechnung zu korrigieren, dann wiederholen Sie Ihren Widerspruch gegenüber dem vorläufigen Insolvenzverwalter.

Sollte sich eine Nachzahlung an den Lieferanten ergeben, müssen Sie diese auf das Sonderkonto des vorläufigen Insolvenzverwalters einzahlen.

Ausstehende Guthaben oder Bonuszahlungen werden Ihnen während des vorläufigen Insolvenzverfahrens nicht erstattet.

Wann und wie kann ich meine Forderungen beim Insolvenzverwalter anmelden?

Erst wenn das Insolvenzverfahren offiziell eröffnet wurde, können Sie Ihre Forderungen beim Insolvenzverwalter anmelden.

Sobald das Insolvenzverfahren eröffnet wird, erhalten Sie vom Insolvenzverwalter ein Formular, mit dem Sie Ihre Forderungen anmelden können. Wenn Ihnen der Vordruck nicht zugeschickt wird, sollten Sie sich umgehend an den Insolvenzverwalter wenden. Die Erfahrungen zeigen allerdings, dass Kunden oft nur einen kleinen Teil Ihrer Forderungen zurückerhalten und sich das Verfahren mehrere Jahre hinziehen kann.

Ob ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnet wird, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, u.a. ob die Kosten eines Verfahrens mit dem vorhandenen Vermögen abgedeckt sind und wie die wirtschaftliche und rechtliche Situation des Unternehmens bewertet wird. Dies kann Wochen oder mehrere Monate dauern und mit dem Ergebnis enden, dass das Unternehmen entweder saniert oder abgewickelt wird. Außerdem kann die Eröffnung des Verfahrens grundsätzlich „mangels Masse“ abgewiesen werden, wenn das vorhandene Vermögen des Unternehmens nicht ausreicht.

Sie sollten sich regelmäßig über den aktuellen Stand des Insolvenzverfahrens z.B. unter  www.insolvenzbekanntmachungen.de informieren.

Sonderfall: Mein insolventer Energielieferant wurde von einem anderen Unternehmen übernommen

Das neue Unternehmen muss Ihren Altvertrag zunächst zu den gleichen Konditionen und Preisen übernehmen.

Nach Ablauf der Mindestvertragslaufzeit (die Laufzeit steht in Ihren Vertragsunterlagen) können Sie sich einen neuen Lieferanten suchen.

Wenn das andere Unternehmen die Vertrags- oder Preisbedingungen ändert, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht.
Hier finden Sie eine Mustervorlage zur Sonderkündigung wegen Preiserhöhung (pdf / 1 MB)

Kontakt

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