Tech­nik

Inverkehrbringen von Produkten

Die Bundesnetzagentur ist für die Anwendung der EU Richtlinien 2014/53/EU (RE Richtlinie) und 2014/30/EU (EMV Richtlinie) in Deutschland zuständig, die in die nationalen Gesetze EMVG (Gesetz zur Elektromagnetischen Verträglichkeit von Betriebsmitteln) und FuAG (Funkanlagengesetz) umgesetzt sind. Gemäß dem europäischen Rechtsrahmen für die Vermarktung von Produkten sollen die EU Mitgliedstaaten eine effiziente Marktüberwachung durchführen, um die Verbraucherinnen und Verbraucher vor unsicheren bzw. nicht den grundlegenden Anforderungen genügenden Produkten, auch aus Drittländern, zu schützen.

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Anerkennung von Konformitätsbewertungsstellen

Durch die Anerkennung von Konformitätsbewertungsstellen nach FuAG und EMVG sowie die Anerkennung von Konformitätsbewertungsstellen im Rahmen der Drittstaatenabkommen (MRAs) der Europäischen Kommission mit Australien, Neuseeland, USA, Kanada, Japan und der Schweiz wird dafür Sorge getragen, dass die privaten Stellen, die die Konformität von Produkten mit den grundlegenden Anforderungen bescheinigen, ihrerseits die jeweils geltenden gesetzlichen Anforderungen z.B. hinsichtlich ihrer Unparteilichkeit und Qualifikation einhalten.

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Standardisierung

Die Mitwirkung der Bundesnetzagentur in Standardisierungsorganisationen trägt dazu bei, dass die Regulierungsziele und die grundlegenden Anforderungen an Produkte bei der Erarbeitung von Normen und Standards beachtet werden.

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Technische Verträglichkeit

Im TKG ist das Sicherstellen einer effizienten und störungsfreien Frequenznutzung als ein Ziel der Regulierung verankert. Ebenso ist im FuAG und EMVG die Störungsfreiheit als grundlegende Anforderungen angesprochen. Eine wesentliche Aufgabe in diesem Rahmen ist es, die technische Verträglichkeit zwischen den verschiedenen Anwendungen elektromagnetischer Wellen herzustellen.

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Rundfunkübertragung

Rundfunkübertragung war bisher in weiten Teilen durch eine vertikale Integration auf der Anbieterseite bestimmt. Die Rollen von Netz- und Plattformbetreibern werden hier von ein und demselben Unternehmen wahrgenommen. Der Verbraucher ist durch den Einsatz proprietärer Technologien dazu gezwungen, bestimmte Endgeräte zu verwenden, wenn er geschützte Rundfunk- oder sonstige Multimedia-Dienste an einem bestimmten Netzanschluss nutzen will.

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Ausschuss für Technische Regulierung in der Telekommunikation

Der Austausch von Know-How mit möglichst vielen Stakeholdern in der IKT, auch aus der Wirtschaft, ist wichtig und geschieht z.B. auch im Ausschuss für Technische Regulierung in der Telekommunikation (ATRT).

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Vorhabenplan

Vorhabenplan 2021 Technische Regulierung

Optimierung der europäischen Normungsprozesse / Funkanlagen-Richtlinie 2014/53/EU

Im Interesse der Verbraucher und einer effizienten und störungsfreien Frequenznutzung sowie unter Berücksichtigung von Software-, Sicherheits- und Interoperabilitätsaspekten arbeitet die Bundesnetzagentur mit ihrem technischen und juristischen Fachwissen und ihrer Erfahrung aktiv in der Normung und an der stetigen Verbesserung der Normungsprozesse mit.
Um für die Zukunft eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen der Europäischer Kommission und allen an der Normung beteiligen Institutionen und Gremien zu gewährleisten, engagiert sich die Bundesnetzagentur weiterhin für eine Optimierung und klare Beschreibung der geltenden Normungsprozesse. Ein besonders herausfordernder Aspekt ist dabei die Evaluierung und Festlegung von angemessenen Empfängerparametern für alle Funkgeräte, die unter die Funkanlagenrichtlinie (RED, 2014/53/EU) fallen. Dabei unterstützt die Bundesnetzagentur weiterhin die Interessen der deutschen Industrie, um aktuell bestehende Schwierigkeiten bezüglich einzelner Normen zügig zu beheben.

Standardisierung der Fünften Mobilfunkgeneration & Weiterentwicklung der Austauschplattform 5G Standardisierung (AP5G)

Die internationale Standardisierung von 5G erfolgt maßgeblich im 3rd Generation Partnership Project (3GPP) unter Beteiligung der Bundesnetzagentur.
Mit dem Abschluss des Release-16 im Juni 2020 hat 3GPP die zweite Phase der 5G Standardisierung vollendet und dabei insbesondere auch die Interessenlage der sog. vertikalen 5G Nutzer wie beispielsweise der Automatisierungs- oder Automobilbranche berücksichtigt. Gleichzeitig wurden an diversen Stellen Verbesserungen eingeführt, um die Effizienz, die Konfigurierbarkeit und die Flexibilität von 5G noch einmal erheblich zu verbessern.

Das aktuelle Release-17 knüpft an diese Punkte an und adressiert als konkrete Beispiele die Einbindung von Satelliten in das 5G Netz, die Reduktion des Energieverbrauchs von Mobiltelefonen, Erweiterungen beim Internet der Dinge für industrielle Anwendungen oder Erweiterungen bei den privaten 5G-Netzen.

In Reaktion auf die Pandemielage erfolgte ab Anfang 2020 eine Streichung sämtlicher internationaler Präsenztagungen sowie eine organisatorische und technische Umstellung auf eine rein elektronische Arbeitsweise (u.a. über Web-Konferenzen). Trotz erheblicher Anstrengungen und einem guten Krisenmanagement innerhalb von 3GPP hat sich bereits beim Release-16 gezeigt, dass die elektronische Arbeitsweise gerade bei komplexen und/oder kontroversen Themen nicht optimal ist. In der Bearbeitung des Rel-17 stellen sich ebenfalls deutliche Verzögerungen ein. Eine Evaluierung der Situation ist für Dezember 2020 vorgesehen. Die Bundesnetzagentur wird sich weiterhin an den Standardisierungsaktivitäten bei 3GPP beteiligen und dazu beitragen, dass die notwendigen regulatorischen Rahmenbedingungen in den technischen Standards und Normen umgesetzt werden.

Um deutsche 5G Anwenderfirmen und -branchen bei der Einbringung ihrer Anforderungen in 3GPP auch in den nächsten Jahren gezielt zu unterstützen, bietet die Bundesnetzagentur über die Ende 2017 gegründete „Austauschplattform 5G Standardisierung“ (AP5G) weiterhin eine Möglichkeit an, spezifische Bedarfe zu benennen. Adressiert werden hier die entsprechenden für 5G Anwender relevanten 3GPP Arbeitsgruppen und die dort erzielten technischen Entwicklungen. Abhängig von der weiteren Entwicklung der Pandemielage sind für 2021 wieder Präsenztagungen der AP5G eingeplant, um einen direkten Austausch zu ermöglichen.

Regulierung rekonfigurierbarer Funksysteme

Die Bundesnetzagentur wird auch im Jahr 2021 die besonderen Herausforderungen zur Regulierung rekonfigurierbarer Funksysteme (z.B. in Hinblick auf einen delegierten Rechtsakt für die Artikel 3.3 und 4 der Funkgeräterichtlinie) analysieren und ihre Positionen in die benannte Expertengruppe der Europäischen Kommission einbringen. In Laufe des Jahres 2020 wurden die Aktivitäten der Kommission - unterstützt durch Mitgliedsländer - vom Artikel 3.3(i) und Artikel 4 verstärkt auf die Artikel 3.3 (d), (e) und (f) ausgedehnt. Dabei wird auf verbindliche Vorgaben für den Hersteller gesetzt, da dadurch eine bessere Rechtssicherheit im Vergleich zu einer freiwilligen Selbstregulierung der Hersteller erreicht werden kann. Um einheitliche grundlegende Anforderungen zu definieren, wird die Entwicklung von entsprechenden harmonisierten Normen zur Erklärung der Konformität mit Artikel 3.3 (d), (e),(f) und (i) und Artikel 4 unterstützt. Entsprechende Vorarbeiten werden dazu in ETSI vorangetrieben. Die Vorgaben sollen dabei verhältnismäßig und durch die Marktüberwachung überprüfbar sein.

Die Kommission plant eine Veröffentlichung eines Entwurfes für einen delegierten Rechtsakt und eines Durchführungsrechtsaktes Anfang 2021.

Richtfunktechnologie im Focus der 5G Umsetzung

Von dem ehemaligen ‚Zubringerdienst‘ für Telefonie hat sich die Richtfunktechnologie heute der breitbandigen Mobilfunkdaten-Übertragung zugewandt. Für die Versorgung der ‚letzten Meile‘ zeigt sich diese moderne digitale Technik als bestens geeignet, schnelle LTE und 5G Datenstrecken innerstädtisch bis auf das Straßenniveau als auch in der Fläche, z. B. ein Firmenareal, an ein vorhandenes Netz anzubinden.
Neben der Erschließung von neuen Frequenzbereichen, wie 92 -114 GHz und 130 – 174 GHz, liegt der derzeitige Augenmerk auf dem Einsatz neuer Antennen, der sogenannten Array-Antennen. Durch die computerunterstützte Ansteuerung und Optimierung der einzelnen Antennenbereiche (‚arrays‘) können mehrere Frequenzen und Kanäle gleichzeitig abgestrahlt werden. Das könnte zukünftig die Anzahl der montierten Antennen auf ein erhebliches Maß reduzieren.

Eine der Kernaufgaben der Bundesnetzagentur besteht in 2021 bei der Normung weiterhin in der aktiven Mitarbeit bei dem nationalen (DIN/DKE) und europäischen Normungsinstitut (ETSI), um u.a. für die neuen Anwendungen sicherzustellen, dass bei der hohen Dichte der betriebenen Richtfunkstrecken in Deutschland und dem begrenzten Frequenzspektrum ein störungsfreier und optimal genutzter Betrieb möglich bleibt.
Aufgrund der europäischen Initiativen ‚offener Standard‘, ‚Interoperabilität‘ und ‚Green IT‘ werden hierbei Richtfunkanlagen in Bezug auf die Energieeffizienz kritisch hinterfragt.“

Europäische Normungsaktivitäten für Funkanlagen der See- und Binnenschifffahrt

Die (harmonisierten) europäischen Normen im See- und Binnenschifffahrtsfunk (einschl. maritimer Ortungsfunk) werden im Gremium ETSI ERM TGMARINE erarbeitet, in der seit vielen Jahren ein BNetzA - Vertreter aktiv die Belange der BNetzA entsprechend ihrem gesetzlichen Auftrag (effektive und effiziente Frequenznutzung als grundlegende Anforderung gem. FuAG §4 (2), Technologieneutralität, Sicherheit, EMV, Funkschutz etc.) vertritt.

Neben der ständigen „Pflege“ / Überarbeitung von bereits bestehenden Normen ist die Neuentwicklung („new work items“) von Normen im See- und Binnenschifffahrtsfunk sowie dem maritimen Ortungsfunk (z.B. neue Radartechnologie, moderne digitale Übertragungsverfahren, neue Gerätearten) die Hauptaufgabe des Gremiums.

Konkret werden im Jahr 2021 (und darüber hinaus) Normen für nachstehende Funkanwendungen weiterentwickelt bzw. neu geschaffen:

  • Modernisierung des GMDSS (Global Maritime Distress and Safety System) im Zusammenhang mit dem Themenkomplex der eNavigation,
  • Breitbandige Technologien für ein dynamisches Positionierungssystem (Daten) auf Hoher See zwischen off-shore Plattformen und Schiffen im 9,2 GHz-Bereich und breitbandige Kommunikationsverbindungen zwischen Schiff / Schiff und / oder Schiff / off-shore Plattformen,
  • DSC (Digital Selective Calling) in den Bereichen UKW, MW, KW zur Fernbedienbarkeit (remote control) von DSC - Geräten von einer Mensch - Maschineschnittstelle (z.B. Zentraleinheit auf der Schiffsbrücke),
  • Normung von sog. “autonomen Seefunkgeräten“ (Autonomous Maritime Radio Devices, AMRD), die neu aufgenommen wurden in die Radio Regulations 2020 App. 18 (z.B. Personal Locator Beacons, Fischernetzbaken).

Da naturgemäß die Normungsarbeit ein langwieriger Diskussions- und Abstimmungsprozess ist, kann sich die Arbeit vom Zeitpunkt eines ersten (harmonisierten) Normentwurfes (early draft) bis zur Veröffentlichung im Amtsblatt der EU über 2 Jahre und mehr erstrecken.“

Künstliche Intelligenz (KI)

Ausgehend von geplanten Gesetzesvorschlägen der Europäischen Kommission zu künstlicher Intelligenz (KI), sowie den milliardenschweren Förderprogrammen Horizon Europe und Digital Europe, kristallisiert sich perspektivisch ein KI geprägter, disruptiver Innovationszyklus digitaler Ökosysteme heraus.

Auf internationaler Ebene begleitet die Bundesnetzagentur innerhalb der ITU - T KI - relevante Arbeitsgruppen zu Netzwerkorchestrierung, Bilderkennung und algorithmischer Entscheidungssysteme auf Basis von KI. Bei ISO / IEC werden grundlagenrelevante Aktivitäten mit Blick auf Terminologien, Anwendungsfällen und Datensätzen verfolgt.

Auf europäischer Ebene findet eine aktive Mitarbeit zu den Themen Wissensrepräsentation, KI zur Vorbeugung von Covid 19 und autonome Netzwerke statt. Im Zuge dieser Mitarbeit beteiligt sich die Bundesnetzagentur aktiv an ETSI - Arbeitsgruppen und an Machbarkeits-untersuchungen zu KI-relevanten Anwendungsfällen.

Aus den gewonnenen Erfahrungen mit Arbeitsgruppen auf internationaler Ebene, sowie mit technischen, regulatorischen und politischen Handlungsfeldern werden Erkenntnisse an die nationalen Standardisierungsgremien DIN und DKE weitergegeben sowie Handlungsoptionen für das BMWi entwickelt. Dazu findet neben der regelmäßigen und ausführlichen Berichterstattung an das BMWi eine aktive Beteiligung an der Normungsroadmap KI, Normungsroadmap Industrie 4.0 sowie am Spiegelgremium des ISO / IEC / JTC1 / SC 42 innerhalb von DIN statt.

Aktivitäten der Marktüberwachung nach EMVG und FuAG

Die Marktüberwachung im Bereich der Funkanlagen-Richtlinie 2014/53/EU und der EMV-Richtlinie 2014/30/EU unterliegt einem sich ständig ändernden Markt. Um auf diese Veränderungen angemessen reagieren zu können, ist es notwendig die internen Prozesse entsprechend weiter anzupassen und zu optimieren. Insbesondere muss die IT-Unterstützung in dem Gesamtprozess verbessert werden.
Ein Schwerpunkt in 2021 wird hierbei die Verbesserung der internen Abläufe sowie die Umsetzung der neuen Marktüberwachungsverordnung sein, wonach Online-und Offline-Handel gleichermaßen betrachtet werden sollen.
Auch die europäische Zusammenarbeit soll in 2021 weiter verbessert werden. Zielstellung ist, dass es auch zu einer verstärkten Zusammenarbeit im Bereich der messtechnischen Überprüfung von Produkten kommt. Hierzu können nach der Marktüberwachungsverordnung VO (EU) 2019/1020 vorhandene akkreditierte Messlabore, wie beispielsweise das Messlabor der BNetzA in Kolberg als Unionsprüfeinrichtung benannt werden.

Industrie 4.0 und M2M, nationale und internationale Standardisierung

Industrie und Wirtschaft stehen derzeit an der Schwelle zur vierten industriellen Revolution (Industrie 4.0), die durch eine vollständige digitale Abbildung und Optimierung der Wertschöpfungskette eines Produktes gekennzeichnet ist. Im Zuge der digitalen Transformation auf Grundlage der (internetbasierten) Kommunikation, beispielsweise 5G, wird eine vollständige Vernetzung aller involvierten Komponenten innerhalb von Wertschöpfungsnetzwerken ermöglicht. Als besonders essentiell wird hierbei die Anwendung von Maschine zu Maschine (M2M) -Kommunikation eingestuft und als ein wesentlicher Treiber für Industrie 4.0 angesehen. Zur Umsetzung müssen hohe Anforderungen an die Dienstgüte (QoS) der zugrundeliegenden Kommunikationsinfrastruktur hinsichtlich Durchsatz, Verzögerungszeiten, Sicherheit, Zuverlässigkeit, Echtzeit und auch Skalierbarkeit gestellt werden.

Anlagen, welche auf Industrie 4.0 beruhen, sollen weitestgehend selbstorganisierend agieren und mit Menschen, Maschinen, anderen Anlagen und Produkten kommunizieren sowie auch kooperieren können. Fähigkeiten wie beispielsweise „Predictive maintenance“ oder auch „Self-Healing“ erhöhen die Produktivität, erzeugen jedoch ein höheres Datenaufkommen in der Kommunikationsinfrastruktur. Speziell bei der Verwendung von funkbasierter Kommunikation bedarf es einer sorgfältigen Koordinierung der verfügbaren Ressourcen, um die benötigten QoS-Anforderungen erfüllen zu können.

Eine vollständige Vernetzung solcher Anlagen ermöglicht die Optimierung einer kompletten Wertschöpfungskette unter Berücksichtigung hoch individualisierter Produkte, gegebenenfalls sogar mit einer Losgröße von Eins. Die vorhandenen Ressourcen können auf Sensorwerten und Wissensdatenbanken basieren, oder auch vollständig autonom (beispielsweise durch die Anwendung von KI-Systemen) verwaltet werden. Um diese hohe Flexibilität zu erreichen, soll mittels des Konzeptes der Verwaltungsschale (Asset Administration Shell) eine vollständige Beschreibung jedes einzelnen Assets und dessen Fähigkeiten erfolgen. Basierend auf diesen Beschreibungen kann ein sogenannter digitaler Zwilling (Digital Twin) einer Wertschöpfungskette erstellt werden, um Informationen zur Optimierung des Prozesses zu erlangen. Dieser kann von der Optimierung einzelner Parameter bis hin zu einer vollständigen Neuplanung einer Anlage reichen.

Die Bundesnetzagentur unterstützt in der „Plattform Industrie 4.0“ die nationalen Gremien des DIN/DKE. In den internationalen Gremien der ITU, ETSI und ISO/IEC wird parallel die Integration von 5G in die Konzepte von Industrie 4.0 (Stichwort Campusnetze) vorangetrieben. Innerhalb der „Plattform Industrie 4.0“ ist die Bundesnetzagentur aktiv an der Erarbeitung der DKE Normungsroadmap Industrie 4.0 und den Gremien zur Internationalisierung der Ergebnisse beteiligt.

Quantentechnologie in der Telekommunikation

Neuste technische Fortschritte haben Technologien auf Basis der Quantenmechanik (Quantentechnologien) großen Vortrieb gegeben. Sie stehen nunmehr an der Schwelle von Grundlagenforschung zu kommerziellen Anwendungen und werden als ein zusätzlicher Treiber für die weitere technologische und gesellschaftliche Entwicklung gesehen. Die Bundesnetzagentur trägt in den TK-relevanten Normungs- und Standardisierungsgremien aktiv zum Vorankommen bei. Hierbei werden insbesondere die funktionalen Lösungsansätze und Architekturen für eine interoperable Quanteninfrastruktur - unter Berücksichtigung von Sicherheitsaspekten - betrachtet. Eine zentrale Rolle kommt den Quantentechnologien bei kryptografischen Systemen zu, da Quantencomputer aktuell als sicher geltende mathematische Verschlüsselungsverfahren erheblich schneller brechen können als klassische Computer. Einzelne Verfahren, die zuvor als sicher galten, werden durch die Möglichkeiten der Quantentechnologien erst angreifbar gemacht. Aus diesem Grund unterstützt die Bundesnetzagentur die Entwicklung quantensicherer Verfahren. Die Ausarbeitung geeigneter Migrationsstrategien für TK-Netze ist ebenfalls im Fokus der Standardisierung und Normung. Hier geht es unter anderem um die Entwicklung von Maßnahmen zur Gewährleistung von (langfristiger) Datensicherheit in TK-Netzen. Daher beteiligt sich die Bundesnetzagentur, im Rahmen ihrer gesetzlichen Aufgaben, in nationalen (DIN/DKE) sowie auch internationalen Gremien (ITU-T, ISO/IEC), mit dem Ziel die Interessen von Forschung, Industrie und Verbrauchern in Deutschland - in Kooperation mit diesen - zu vertreten.

Wettbewerbsförderung und Verbraucherschutz – Interoperabilität im Bereich der Übertragung von Rundfunk und anderen audiovisuellen Medien

Parallel zur Nutzung der klassischen Rundfunktechnologien werden verstärkt auch TV-Inhalte über das Internet bezogen. Dabei sind durch bidirektionale Kommunikation und adressierbare Endgeräte zahlreiche neue Geschäftsmodelle möglich. Dieses stellt für Marktteilnehmer und Verbraucher einen Mehrwert dar, birgt aber auch einige Herausforderungen in Bezug auf die Interoperabilität der unterschiedlichen technischen Lösungen.
Anders als in der klassischen digitalen Rundfunkübertragung existieren im Bereich von Videostreaming zahlreiche unterschiedliche technische Eco-Systeme, die in der Regel nicht auf den Ergebnissen der etablierten Standards Development Organizations (SDO) basieren. Industrieforen und einzelne Unternehmen prägen maßgeblich die technischen Rahmenbedingungen für Video- und Live TV-Streaming. Der Paradigmenwechsel in der Nutzung audiovisueller Medien erfordert im Hinblick auf die Auswirkungen für Wettbewerb, Interoperabilität und Verbraucherschutz eine Verbreiterung des Fokus in der Standardisierungsarbeit.

Aus diesem Grund hat die Bundesnetzagentur im Jahr 2020 eine Marktkonsultation zum Thema „Standardisierung von Technologien für audiovisuelle Medien“ zur Veröffentlichung im Amtsblatt auf den Weg gebracht. Nach Abschluss der Rückmeldungsphase sollen im Jahr 2021 dann die eingegangenen Beiträge der Unternehmen und Verbänden ausgewertet werden. In Folge sollen weitere Gespräche mit Markteilnehmern und ggf. auch in Abstimmung mit dem BMW ein Workshop durchgeführt werden. Dabei soll der Pool an technischen Ansprechpartnern im Markt über den klassischen Rundfunkbereich hinaus erweitert werden. Im Ergebnis sollen alle Maßnahmen dazu beitragen, relevante Fragestellungen und Standardisierungslücken zu identifizieren.

Normung im Bereich der elektromagnetischen Verträglichkeit

Normung und Störungsbearbeitung im Bereich elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) von Betriebsmitteln sind zentrale gesetzliche Aufgaben der Bundesnetzagentur (vgl. § 22 Absatz 2 Nr. 5 und 7 EMVG). Die Prävention von Störungen sollte hierbei eine natürliche Priorität gegenüber der nachträglichen Störungsbearbeitung haben.
Die Normung im Bereich EMV findet faktisch auf internationaler Ebene im Internationalen Sonderkomitee für Funkstörungen (CISPR) statt, in dem die Bundesnetzagentur aktiv mitarbeitet. Die derzeitigen CISPR-Normen werden in der Vielzahl der Fälle ohne Änderungen als Harmonisierte Europäische Normen übernommen und stellen somit einen zentralen Baustein in den Prozessen zur Konformitätsbewertung und der Marktüberwachung im Europäischen Binnenmarkt dar.

Frequenzbereich 6 GHz – 40 GHz

Bei IEC/CISPR (dem Internationalen Spezialkomitee für Funkstörungen) sind die Arbeiten am bisher nicht durchgehend normativ abgedeckten Frequenzbereich von 6 GHz - 40 GHz in den entsprechenden Unterkomitees angelaufen. Durch den in einigen Ländern bereits begonnenen Roll-Out der 5G-Technologie ist der Druck bezüglich einer zeitnahen Einführung geeigneter EMV-Anforderungen für elektrische und elektronische Geräte weiter gestiegen.

Die Bundesnetzagentur ist vornehmlich in den betreffenden horizontalen Gremien an der Normungsarbeit in führender Rolle beteiligt (Messverfahren und Modellentwicklung zur Ableitung von Grenzwertsätzen). Eine durch die Bundesnetzagentur initiierte Studie zu den in diesem Frequenzbereich notwendigen Grundlagenuntersuchungen wurde im September 2020 erfolgreich abgeschlossen. Die Arbeiten waren auf die Gewinnung von Eingangsparametern zur Modellbildung ausgerichtet und mit praktischen Messungen in diesem herausfordernden Frequenzbereich unterfüttert. Im Jahr 2021 werden die erzielten Ergebnisse nun in die internationale Normungsarbeit insbesondere an den EMV-Fachgrundnormen eingebracht. Diese tragen über Ihre Pilotfunktion dazu bei, einen umfassenden Funkschutz für 5G-Anwendungen zu erreichen.

Kontinuierliche Erweiterung aller EMV-Normen

Die grundlegenden Arbeiten im Bereich der Normung zur elektromagnetischen Verträglichkeit sind naturgemäß durch die ständige Erweiterung, die Anpassung an neue Technologien und dem Bestreben zu Lückenschlüssen der Normen geprägt. Um stets den Stand der Technik bestmöglich abzubilden, müssen die Normen in Bezug auf alle elektromagnetischen Kopplungsmechanismen kontinuierlich aktualisiert werden. Im Jahr 2021 stehen konkret die Arbeiten an der Norm für ISM-Geräte CISPR 11 mit Neueinführung von Anforderungen an alle EMV-relevanten Anschlüsse und die Erweiterung des Frequenzbereichs bis 6 GHz an. Außerdem wird erneut der Versuch einer Konsensfindung bezüglich Anforderungen für kontaktlose Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge angegangen.

Im Rahmen der fortlaufenden Pflege der Messverfahren wird neben den Erweiterungen in den Frequenzbereichen unter 30 MHz und über 6 GHz in den Fachgrundnormen an einem geeigneten Abschluss für den Wechselspannungsversorgungsanschluss von Messplätzen.

Aktivitäten des Deutschen Marktüberwachungsforums (DMÜF)

Die Bundesnetzagentur beabsichtigt im Rahmen des Online-Zugangsgesetzes (OZG) eine nutzerorientierte MarktüberwachungsApp für Bürger und Unternehmen zunächst für die Bereiche Funkanlagen und Anwendung der EMV zu entwickeln. Ziel ist es, eine verbraucherorientierte digitale Anwendung zu schaffen.

Die MarktüberwachungsApp soll zur Übermittlung von Meldungen von Produktsicherheitsmängeln bzw. von nicht konformen Produkten aus der Öffentlichkeit (Bürger und Unternehmen) dienen. Das Projekt soll mit den Produktsektoren EMV und Funkanlagen starten und in einer weiteren Ausbaustufe über das Deutsche Marktüberwachungsforum (DMÜF) allen Marktüberwachungsbehörden in Deutschland zur Nutzung angeboten werden. Als Orientierungshilfe zum Format sollen die bereits existierenden Zollkontrollmitteilungen dienen.

EMF – Langzeitmessungen – automatisches Messsystem

Seit 2007 setzt die Bundesnetzagentur zur Erfassung und Bewertung der örtlichen Emissionen von Funkanlagen ein automatisches Messsystem ein. Die Messergebnisse werden unmittelbar nach der Messung an die EMF-Datenbank übertragen, dort ausgewertet und in Form von Balkendiagrammen in der EMF-Datenbank dargestellt. Damit kann jederzeit nachvollzogen werden, wie hoch die Grenzwertausschöpfung von Funkanlagen im relevanten Frequenzbereich im Verlauf eines Tages, einer Woche oder eines Monats am Betriebsort ist. Landesbehörden sowie Gemeinden können bei Bedarf die Messstationen kostenfrei bei der Bundesnetzagentur anfordern. Ende 2020/Anfang 2021 wird die Bundesnetzagentur ein neues automatisches Messsystem einführen, das auch die Immissionen von 5G-Mobilfunknetzen erfassen und bewerten kann. Auch dieses System wird für Landesbehörden sowie Gemeinden kostenfrei abrufbar sein und alle Messergebnisse wie bisher in der EMF-Datenbank verfügbar machen.