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Be­schluss­kam­mer 6

Mitteilung anlässlich der Veröffentlichung des Ausgleichsenergiepreises für den 17.10.2017

Az.: BK6-17-255

01.12.2017

Am 17.10.2017 haben die Übertragungsnetzbetreiber aufgrund anhaltender Ungleichgewichte zwischen Stromerzeugung und -abnahme, in der Zeit zwischen 19:15 Uhr und 19:45 Uhr, positive Minutenreserveleistung eingesetzt. Dabei wurde eine Vielzahl der mit einem Gesamtvolumen von über 500 MW bezuschlagten Minutenreservegebote eines Anbieters in Höhe von ca. 250 MW zu einem Arbeitspreis von je 77.777 Euro/MWh aktiviert. Dies hat zu den mit Abstand höchsten bisher aufgetretenen Preisen für Ausgleichsenergie in Höhe von 20.614,97 Euro/MWh in der Viertelstunde ab 19:15 Uhr sowie 24.455,05 Euro/MWh in der darauffolgenden Viertelstunde geführt.


Die Situation in den Übertragungsnetzen war allerdings unauffällig. So lag der Regelenergieeinsatz im üblichen Bereich. In den besagten Viertelstunden war die Lage am Strommarkt entspannt. Dies zeigt ein einfacher Vergleich mit den Spotmärkten, wo der Preis für die betreffende Stunde in der Day-Ahead-Auktion 67,92 Euro/MWh, im Intraday-Markt 74,52 Euro/MWh und die Preise für die betreffenden Viertelstunden 72,44 Euro/MWh sowie 74,85 Euro/MWh betrugen. Auch bei der Beschaffung der Regelenergie lag keine Knappheitssituation vor.


Die Beschlusskammer beobachtet seit einiger Zeit mit Sorge, dass es vermehrt zu hohen Arbeitspreisgeboten bei der Minutenreserve kommt, die wie oben ausgeführt offensichtlich nicht auf (erwartete) Knappheiten an den Strommärkten zurückzuführen sind. Auch die auffällige Ziffernfolge 77.777 Euro/MWh des Arbeitspreises deutet darauf hin, dass hinter dem Gebot keine kostenseitigen Fundamentaldaten stehen.


Während extreme, nicht ohne Weiteres durch kostenseitige Fundamentaldaten erklärbare Arbeitspreise anfangs nur von einigen wenigen Unternehmen mit geringer Angebotsmenge geboten wurden, muss nunmehr beobachtet werden, dass diese Vorgehensweise Schule macht. In der Folge dringen diese Arbeitspreise immer tiefer in die Merit-Order ein.


Die Situation am 17.10.2017 verdeutlicht dies: Obwohl in den betreffenden Viertelstunden erst ca. 70 % der bezuschlagten Minutenreserve in Anspruch genommen wurde, ergeben sich aufgrund der Preisstellung durch die Anbieter Abrufkosten, die zu Ausgleichenergiepreisen in Rekordhöhe führten.


Die Beschlusskammer wird diese Entwicklung nicht weiter hinnehmen. Sofern die Analysen zeigen, dass die Arbeitspreise der Regelenergie auch weiterhin keinerlei Korrelation zu den Strommärkten aufzeigen und damit weiterhin erhebliche Verwerfungen bestehen, kündigt die Beschlusskammer bereits jetzt an, alle notwendigen Maßnahmen auch kurzfristig zu ergreifen. Ferner wird die Beschlusskammer das bestehende Regelwerk für die Beschaffung und den Einsatz von Regelenergie und anderen vorhandenen Instrumenten zum Ausgleich der Leistungsbilanz einer eingehenden Prüfung unterziehen.


Darüber hinaus überprüft die Markttransparenzstelle für den Großhandel mit Strom und Gas das Anbieterverhalten auf mögliche Verstöße gegen das europaweite Verbot von Insider-Handel und Marktmanipulation im Energiegroßhandel.

- Ende der Mitteilung -

Stand: 01.12.2017