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Netzentgelt
Was ist ein Netzentgelt (auch als Netznutzungsentgelt bezeichnet)?

Das Netzentgelt

  • ist als eine Gebühr zu verstehen, die jeder sogenannte Netznutzer, der Strom oder Gas durch das Versorgungsnetz leitet, an den Netzbetreiber zahlen muss.
    (Ähnlich wie ein Bus-Fahrschein zur Beförderung im Öffentlichen Nahverkehr berechtigt)
  • ist ein Teil des Strom- bzw. Gaspreises.
  • wird reguliert, weil sich seine jeweilige Höhe nicht im freien Wettbewerb bilden kann, da Strom- und Gasnetze natürliche Monopole sind.
  • muss vom Netzbetreiber im Internet veröffentlicht werden.
  • ist bei Strom-Netzentgelten nicht abhängig von der Länge der genutzten Leitung (also dem Punkt der Einspeisung bis zum Ort der Entnahme).
  • wird durch gesetzliche Bestimmungen in § 20 EnWG und der Strom- bzw. Gasnetzentgeltverordnung (StromNEV, GasNEV) geregelt.

Wer muss Netzentgelte zahlen?

  • Bei Haushaltskunden ist der jeweilige Gas- oder Stromlieferant der Netznutzer. Er sammelt die Netzentgelte von den Verbrauchern ein und leitet sie an den Netzbetreiber weiter.
  • Jede Zählerstelle muss ein Netzentgelt entrichten.

Wer bestimmt das Netzentgelt?

  • Es beruht auf der sogenannten Erlösobergrenze, die von den Regulierungsbehörden für jeden Netzbetreiber berechnet und festgelegt wird.
    (Bei der Bundesnetzagentur sind dafür die Beschlusskammer 8 und Beschlusskammer 9 zuständig)
  • Der Netzbetreiber bildet das Netzentgelt aus seiner Erlösobergrenze. Das heißt auch, dass der Netzbetreiber durch die Summe seiner Netzentgelte nicht mehr verdienen darf, als ihm von der Behörde als Gesamterlös vorgegeben wurde.
  • Für die Entgeltbildung müssen die Netzbetreiber ihre Gesamterlöse verursachungsgerecht auf alle von ihnen betriebenen Netzebenen und Netzfunktionen umlegen (sog. Kostenträgerrechnung).

Die Höhe des Netzentgelts

  • wird separat in der Rechnung ausgewiesen.
    Das Netzentgelt aus Grundpreis in Euro/Monat und Arbeitspreis in ct/kWh wird von Lieferanten aber sehr unterschiedlich in die Strompreise umgerechnet.
  • ist regional und bei jedem Verteilnetzbetreiber unterschiedlich hoch (s.u.). Jeder Netzbetreiber hat nur ein Netzentgelt pro Spannungsebene.

Entwicklung der Netzentgelte Elektrizität 2006 bis 2017 Entwicklung der Netzentgelte Elektrizität für Haushaltskunden 2006 - 2017Monitoringbericht 2017

Entwicklung der Netzentgelte Gas 2007 bis 2017 Entwicklung der Netzentgelte Gas 2007 - 2017Monitoringbericht 2017

Strom-Netzentgelte wurden durch die Einführung der Regulierung zunächst erheblich abgesenkt. Seit 2012 steigen die Netzentgelte wieder an. Gründe für den Anstieg sind u.a. die Investitionen im Netzausbau und für die Versorgungssicherheit.Gas-Netzentgelte sind seit 2009 nahezu konstant.
  • Die höchsten Strom-Netzentgelte gibt es im ländlichen Raum, vor allem in den nördlichen und den neuen Bundesländern.
  • Die niedrigsten Strom-Netzentgelte kommen überwiegend in den Stadtregionen der alten Bundesländer, aber auch in einigen Städten in den neuen Bundesländern vor.
HaushaltGewerbeIndustrie

Deutschlandkarte mit regionalen Verteilungen und Kennzeichnung von Dunkelblau bis Orange, die die Höhe der Strom-Netzentgelte für Haushaltskunden angeben Strom-Netzentgelte von Netzbetreibern in der Zuständigkeit der Bundesnetzagentur für Haushalte mittlerer Größe mit einem jährlichen Verbrauch von 3.500 kWhMonitoringbericht 2017

Deutschlandkarte mit regionalen Verteilungen und Kennzeichnung von Dunkelblau bis Orange, die die Höhe der Netzentgelte für Gewerbekunden angeben Strom-Netzentgelte von Netzbetreibern in der Zuständigkeit der Bundesnetzagentur für gewerbliche Verbraucher mittlerer Größe mit einem Verbrauch von 50 MWh im Jahr

Deutschlandkarte mit regionalen Verteilungen und Kennzeichnung von Dunkelblau bis Orange, die die Höhe der Netzentgelte für Industriekunden angeben Strom-Netzentgelte von Netzbetreibern in der Zuständigkeit der Bundesnetzagentur für industrielle Verbraucher mit einem Verbrauch von 24 GWh im Jahr

Gründe dafür sind:

  1. Die unterschiedliche Auslastung der Netze.
    Bei geringer Auslastung wegen fehlender Industrieproduktion oder Bevölkerungsrückgang verteilen sich die Netzkosten auf weniger Verbraucher.
  2. Im Stromnetz die ansteigende Erzeugung in den unteren Spannungsebenen (Niederspannung, Mittelspannung) durch Wind- und PV-Anlagen.
    Weil insgesamt weniger Strom aus dem Transportnetz (Hochspannung) und den höheren Spannungsebenen entnommen wird, verteilen sich die Kosten auf immer weniger Kilowattstunden.
  3. Das Alter der Netze.
    Die relativ älteren Netze in Westdeutschland haben einen geringeren Restwert und geringere Netzkosten als die neueren Netze in den ostdeutschen Gebieten. Dieser Effekt wird sich umkehren, wenn die alten Netze ersetzt oder modernisiert werden müssen.
  4. Qualität der Netze.
  5. Die Integrationskosten der Erneuerbaren Energien
  6. Höhere Kosten bei den Übertragungsnetzbetreibern durch Netzausbau und für Versorgungssicherheit (Redispatch, Reservekraftwerke)
  7. Die im Netzgebiet auftretenden Kosten für sogenannte "vermiedene Netzentgelte".

    Betreiber von dezentralen Erzeugungsanlagen erhalten von dem Verteilnetzbetreiber, in dessen Netz sie einspeisen, ein Entgelt. Dieses Entgelt entspricht dem Netzentgelt, das durch die Einspeisung in der vorgelagerten Netzebene vermieden wurde.

    Als der Gesetzgeber 2005 die vermiedenen Netzentgelte eingeführt hat, ging man davon aus, dass lokal erzeugter Strom bestimmte Kosten des Netzaufbaus vermeidet. In der Praxis hat sich jedoch gezeigt, dass dezentral erzeugter Strom nicht immer vor Ort verbraucht wird, sondern durch das Übertragungsnetz an den Verbrauchsort transportiert werden muss.