LNG-Im­por­te stär­ken un­se­re Ver­sor­gungs­si­cher­heit

Gasversorgung im Winter 2026

Diversifizierte Quellen sichern unserere Gasversorgung.

Erinnern Sie sich noch an den Sommer 2022? Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine war schnell klar: Die Lieferungen könnten ausbleiben. Deutschland bezog einen Großteil seiner Gaslieferungen über Pipelines aus Russland – das musste so schnell wie möglich ersetzt werden. Und tatsächlich: Im September drehte Russland den Gashahn zu. Die Bundesregierung rief die Alarmstufe des Notfallplans Gas aus. Der Blick der Öffentlichkeit richtete sich nun auf die Gasspeicher. Um sicher durch den Winter zu kommen, sollten sie mindestens zu 90 Prozent gefüllt sein. Andernfalls, so das Schreckensszenario, würde die deutsche Wirtschaft kollabieren. Und obwohl die Versorgung der privaten Haushalte immer gesichert war, fürchteten Manche, in ihren Wohnzimmern zu frieren. Nun wird es langsam kälter und die Speicher sind nicht so voll wie in den Jahren zuvor. Ist die Krise damit unausweichlich?

LNG als neue Gasquelle
Dass es nicht zu einer „echten Mangellage“ kam, hatte mehrere Gründe.
Zum einen haben wir alle gemeinsam – Industrie und Haushalte – Gas gespart: bis zu 20% im Vergleich zum Vorjahr.
Auch die Regierung reagierte schnell: Sie organisierte eine staatliche Befüllung der Speicher – auch unabhängig von der Wirtschaftlichkeit.

Außerdem diversifizierten wir die Quellen unserer Energieimporte. Anstatt unser Gas wie bisher überwiegend aus nur einem Land zu beschaffen, bekommen wir es nun aus mehreren. Norwegen ist an erster Stelle zu nennen, aber auch über Belgien und die Niederlande bekommen wir Gas über Pipelines.
Ganz neu hinzu kamen LNG-Terminals in Deutschland, also Flüssiggas, das mit Schiffen über die Ozeane transportiert wird. In ihnen wird am Zielhafen das LNG entladen, gespeichert und regasifziert, also das flüssige Gas wieder gasförmig gemacht. Mittlerweile haben wir vier dieser Terminals an Nord- und Ostsee; in Stade wird gerade das fünfte angeschlossen. Heute macht LNG rund zehn Prozent des Gases aus, das wir in Deutschland brauchen. Auch die Pipelineimporte aus Belgien und Niederlande werden zu wesentlichen Teilen aus LNG-Lieferungen gespeist, die in den Ländern anlanden.

Niedriger Füllstand der Gasspeicher – was nun?
Inzwischen ist es Herbst 2026. Der Krieg im Iran, die gesperrte Straße von Hormus und andere geopolitischen Verwerfungen haben nicht nur für hohe Spritpreise gesorgt. Gleichzeitig ist der Füllstand der Gasspeicher deutlich niedriger als in den Vorjahren. Mitte September lag er bei knapp 56 %. Dies ist nicht allein auf die Verwerfungen durch den Krieg im Iran zurückzuführen, sondern liegt im Wesentlichen an den veränderten Marktbedingungen. In der Vergangenheit kauften die Gas-Unternehmen im Sommer Gas ein, wenn es günstig war, und befüllten die Speicher. Im Winter, wenn geheizt wurde, verkauften sie es zu höheren Preisen. Dies hat sich durch die gestiegene Bedeutung von LNG geändert, da auf den LNG-Weltmärkten auch im Sommer Gas nachgefragt wird. Gleichzeitig kann das LNG-Angebot in Europa flexibler als Pipelinetransporte auf die Nachfrage sowohl im Sommer als auch im Winter angepasst werden.

Die gesetzliche Vorgabe lautet aber, dass die Speicher bis Anfang November im Durchschnitt über alle deutschen Speicher zu 70 % gefüllt sein sollen. Das zu schaffen ist nicht sehr wahrscheinlich.
Was heißt das? Und ist der Gasmangel damit unausweichlich?

Nein!

Unsere Gasversorgung steht inzwischen auf anderen Beinen. Fußte die Versorgungssicherheit bis 2022 überwiegend auf Pipelinegas, sehen wir heute ein Zusammenspiel verschiedener Optionen. Die Gashändler haben Lieferverpflichtungen gegenüber Hunderten Stadtwerken und Tausenden Industriebetrieben. Die müssen sie erfüllen. Es ist ihre Aufgabe, auch für einen kalten Winter vorzusorgen. Die Bundesnetzagentur, namentlich ihr Präsident, hatte mehrfach an sie appelliert. Daraufhin haben die Händler ausdrücklich bestätigt, ihre Verträge einzuhalten. Dafür sichern sie sich zum Beispiel über Terminmarktgeschäfte ab. Und sie wägen ab: Erfüllen sie ihre Verträge mit Pipelinegas? Oder mit Gas aus den Speichern? Oder mit Flüssiggas? Letzteres spielt eine immer wichtigere Rolle.
Die deutschen LNG-Terminals an Nord- und Ostsee (Wilhelmshaven, Brunsbüttel und Mukran; zukünftig noch Stade) haben sich mittlerweile als feste Größe etabliert: Im Jahr 2025 wurden darüber bereits über 10 % (106 TWh) des gesamten deutschen Erdgases importiert. Schon im zweiten Halbjahr 2025, mit Inbetriebnahme des zweiten Terminals in Wilhelmshafen, stiegen sie auf 12 %. Der überwiegende Teil des LNGs, etwa 90 %, stammt aus den USA. Weitere Terminals sind in diesem und im nächsten Jahr geplant.

Außerdem sei gesagt: Die Ziele für die Befüllung der Gasspeicher dienen zur Orientierung, um möglichen Handlungsbedarf zu signalisieren. Und den gibt es derzeit nicht. Die Gasversorgung ist stabil.

Ist jetzt alles gut?
Die Auswirkungen des Iran-Konflikts zeigten sich daher vor allem indirekt über die globalen Energiemärkte. Die Einschränkungen in der Straße von Hormus reduzieren das verfügbare Angebot an LNG auf dem Weltmarkt und verstärken die Konkurrenz um flexible Spot-LNG-Lieferungen zwischen Europa und Asien erheblich. Deshalb kam und kommt es zu Preisspitzen, die insbesondere durch höhere Risiko-, Transport- und Versicherungskosten im LNG-Handel getrieben waren. Es sollte deutlich geworden sein: LNG hat sich als zusätzliches Standbein für die Versorgungssicherheit etabliert. Diese Importoption macht uns flexibler. Die Kapazitäten, die sie noch bietet, steigen. Dennoch bleibt der Blick vieler Medien nach wie vor am Füllstand der Gasspeicher hängen. Deshalb überlassen wir dem Präsidenten der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, das letzte Wort: „Versorgungssicherheit ist nicht das gleiche wie Preisstabilität. Gas kostet mehr. Aber es ist auf den Weltmärkten verfügbar. “

 

Die Bundesnetzagentur veröffentlicht täglich alle relevanten Daten zur Gaslage.

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